Emotionale Misshandlung in Kindheit und schizophrenieähnliche Symptome im Erwachsenenalter

Studie untersuchte Zusammenhang zwischen Trauma in der Kindheit und Schizotypie im Erwachsenenalter in nicht-klinischen Stichproben

Emotionale Misshandlung in Kindheit und schizophrenieähnliche Symptome im Erwachsenenalter

02.07.2022 Eine neue Studie der University of Hertfordshire hat erstmals einen engen Zusammenhang zwischen emotionalem Misshandlungen in der Kindheit und schizophrenieähnlichen (schizotypischen) Symptomen bzw. Erfahrungen bei gesunden Erwachsenen – wie Paranoia, Stimmenhören und sozialer Rückzug – festgestellt.

Den Forschern zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter an Schizophrenie zu erkranken, bei Personen mit emotionalen Misshandlungen in der Kindheit 3,5-mal höher. Je schwerwiegender der Missbrauch war, desto ausgeprägter sind die schizophrenieähnlichen Erfahrungen im Erwachsenenalter, so die Forscher.

Die Studie

Die in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie fasste insgesamt 25 Studien zusammen und quantifizierte den Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und schizophrenieähnlichen Erfahrungen bei über 15.000 gesunden Menschen.

Forscher der Universität Hertfordshire analysierten die Ergebnisse früherer Untersuchungen, um festzustellen, ob bestimmte Arten von Misshandlungen bzw. Missbrauch, wie emotionaler, sexueller und körperlicher Missbrauch sowie emotionale und körperliche Vernachlässigung, die Wahrscheinlichkeit für schizophrenieähnliche Erfahrungen im späteren Leben erhöhen.

Emotionale Misshandlung in der Kindheit und schizophrenieähnliche Erfahrungen im Erwachsenenalter

Sie fanden einen viel stärkeren Zusammenhang zwischen emotionaler Misshandlung in der Kindheit und schizophrenieähnlichen Erfahrungen im Erwachsenenalter als bei anderen Arten von Missbrauch in der Kindheit.

Der Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und Schizophrenie, einer schweren psychischen Erkrankung, ist allgemein bekannt. Die Auswirkungen von Kindheitstraumata auf die Prävalenz weniger schwerer schizophrenieähnlicher Erfahrungen bei gesunden Erwachsenen sind jedoch weit weniger untersucht worden.

Laut den Wissenschaftlern könnten ihre Ergebnisse zeigen, dass Schizophrenie ein Zustand auf einem Spektrum ist, ähnlich wie Autismus, bei dem gesunde Menschen schizophrenieähnliche Episoden haben können, ohne die Schwelle zur Diagnose zu erreichen.

Der Forscher Dr. Diamantis Toutountzidis von der University of Hertfordshire leitete diese Studie unter der Aufsicht von Keith Laws, Professor für Neuropsychologie an der Universität.

Toutountzidis sagt: “Emotionale Misshandlung unterscheidet sich von anderen Formen der Misshandlung. Sie kommt häufiger vor, erstreckt sich oft über längere Zeiträume und wird rechtlich nicht so behandelt wie körperliche oder sexuelle Misshandlung”.

“Unsere Forschung hat gezeigt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen emotionaler Misshandlung in der Kindheit und schizophrenieähnlichen Erfahrungen bei gesunden Erwachsenen besteht, und dass emotionale Misshandlung ein stärkerer Prädiktor für schizophrenieähnliche Symptome ist als andere Arten von Misshandlungen. Dies sollten Fachleute aus dem Bereich der psychischen Gesundheit berücksichtigen, wenn sie die Ursachen für schizophrenieähnliche Erlebnisse bei davon betroffenen Menschen bekämpfen wollen”.

Laws fügte hinzu, dass ihre “Forschung die Tür für künftige Studien geöffnet hat, die zu einem besseren Verständnis dafür beitragen, wie bestimmte Arten von Misshandlung in der Kindheit mit bestimmten schizophrenieähnlichen Erfahrungen im späteren Leben verbunden sind. Sie wird uns auch dabei helfen, zu verstehen, warum ein solches Trauma bei einigen Menschen zu Störungen wie Schizophrenie führt, während andere leichtere, besser kontrollierbare Symptome haben.”

© Psylex.de – Quellenangabe: PLOS ONE (2022). DOI: 10.1371/journal.pone.0270494

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