Furcht, Angst bei der Entscheidungsfindung

Furcht kann dazu führen, dass Frauen und Männer bei der Wahl zwischen kurz- und langfristiger Belohnung unterschiedliche Entscheidungen treffen

Furcht, Angst bei der Entscheidungsfindung

21.03.2024 Furcht und Angst können die Entscheidungen von Frauen beeinflussen, wenn sie sich für sofortige Belohnungen und gegen größere, zeitlich verzögerte Belohnungen entscheiden, während die Entscheidungen von Männern offenbar nicht von Emotionen beeinflusst werden laut einer in PLOS ONE veröffentlichten Studie von Eleonora Fiorenzato, Patrizia Bisiacchi und Giorgia Cona von der Universität Padua (Italien).

Belohnungsaufschub

Die Entscheidungsfindung ist komplex und noch immer nicht vollständig geklärt, insbesondere wenn es um die Abwägung zwischen kurz- und langfristigen Vorteilen oder Kosten geht. Das bekannte Phänomen des delay discounting (“Verzögerungsdiskontierung”; Belohnungsaufschub) beschreibt die allgemeine Tendenz, eine sofortige Belohnung einer späteren vorzuziehen, selbst wenn die spätere Belohnung deutlich größer ist.

In dieser Studie untersuchten Fiorenzato und Kollegen, wie Emotionen wie Furcht und Freude sowie das Geschlecht die Entscheidungsfindung beeinflussen, insbesondere bei der Abwägung zwischen sofortigen und späteren Belohnungen.

Die Studie

Die Autoren rekrutierten 308 Teilnehmer (63 % Frauen, 37 % Männer) über eine Umfrage in sozialen Medien. Den Umfrageteilnehmern wurde ein kurzer standardisierter und validierter Filmclip gezeigt, der einen emotionalen Zustand hervorrufen sollte – für die Furchtgruppe war dies ein Gruselfilm wie “The Sixth Sense” oder “Das Schweigen der Lämmer”; für die Freudegruppe war dies ein positiver Dokumentarfilm mit Themen wie Wälder oder Wasserfälle; die neutrale Affektgruppe sah sich einen Dokumentarfilm über städtische Umgebungen an. Anschließend wurden den Probanden hypothetische Belohnungsfragen gestellt, z. B. “Hätten Sie lieber heute 20 000 € oder in drei Jahren 40 000 €?”

Frauen in der Furchtgruppe wählten bei der Wahl der finanziellen Belohnung mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit eine “Verzögerungsdiskontierung” (d. h. sie entschieden sich für den sofortigen, kleineren Betrag) als Männer in der Furchtgruppe oder Frauen in der Freude- oder neutralen Filmgruppe. Es gab keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Entscheidungen, die in den Gruppen mit freudigen oder neutralen Filmen getroffen wurden, und die Entscheidungsfindung der Männer in Bezug auf finanzielle Belohnungen schien von ihrem emotionalen Zustand unbeeinflusst zu sein.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass speziell Furcht bzw. Angst bei Frauen und Männern unterschiedliche Arten von zeitgebundenen Entscheidungen hervorruft – die Autoren vermuten, dass dies entweder auf Unterschiede in den evolutionären Strategien im Hinblick auf Sicherheit und Risiko oder auf unterschiedliche Ansätze zur Emotionsregulation in Stresssituationen zurückzuführen sein könnte.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Stichprobengröße und die Bandbreite der hier untersuchten Emotionen im Vergleich zur realen Welt relativ klein sind. Die Vermutung, dass Emotionen (insbesondere negative Emotionen wie Angst) und Geschlecht bei intertemporalen Entscheidungen interagieren, rechtfertigt jedoch weitere Untersuchungen.

Die Autoren fügen hinzu: “Frauen neigen in einem furchtsamen emotionalen Zustand eher dazu, sofortige Belohnungen zu wählen als in einem freudigen. Unsere Forschung unterstreicht die Bedeutung des Geschlechts als einflussreicher Faktor in der Interaktion zwischen Emotionen und Entscheidungsprozessen”.

© Psylex.de – Quellenangabe: PLoS ONE 19(3): e0299591. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0299591

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