Herzinfarkt: Größeres Risiko für geistigen Abbau

Studie legt nahe, dass die kognitiven Funktionen nach einem Herzinfarkt verstärkt überwacht werden müssen

24.03.2022 Die Auswirkungen eines Herzinfarkts auf das Gehirn sind möglicherweise gravierender als bisher angenommen. Laut einer auf der 71. wissenschaftlichen Jahrestagung des American College of Cardiology vorgestellten Studie zeigte etwa einer von drei Überlebenden eines Herzinfarkts in den Tagen und Monaten nach dem Infarkt einen erheblichen geistigen Abbau.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Überwachung der kognitiven Funktionen nach einem Herzinfarkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, so die Forscher.

In der Studie wurde die geistige Leistungsfähigkeit von 220 Patienten untersucht, die wegen eines Herzinfarkts in ein Krankenhaus in Poznań, Polen, eingeliefert wurden. Die Patienten wurden einige Tage nach ihrem Herzinfarkt zwei kognitiven Tests unterzogen, die dann sechs Monate später wiederholt wurden. Bei den beiden Tests handelte es sich um die Mini-Mental State Examination und den Clock Drawing Test, mit denen das Denkvermögen, das Gedächtnis und die Fähigkeit zur Ausführung grundlegender Aufgaben beurteilt werden und die üblicherweise zur Erkennung von Anzeichen einer Demenz verwendet werden.

Kognitive Beeinträchtigungen

Insgesamt zeigten die Tests, dass etwa 50 % der Patienten zu beiden Zeitpunkten normale kognitive Funktionen aufwiesen, während die andere Hälfte eine gewisse kognitive Beeinträchtigung hatte. Etwa 35-40 % der Patienten wiesen in den ersten Tagen nach dem Herzinfarkt eine kognitive Beeinträchtigung auf, während 27-33 % sechs Monate später eine Beeinträchtigung zeigten. Von den Patienten, die kurz nach ihrem Herzinfarkt eine gewisse kognitive Beeinträchtigung aufwiesen, war die Beeinträchtigung in etwa der Hälfte der Fälle vorübergehend und in der anderen Hälfte dauerhaft. Etwa 1 von 9 Patienten hatte kurz nach dem Herzinfarkt normale kognitive Funktionen, zeigte aber sechs Monate später einen kognitiven Rückgang.

Kognitive Defizite können die Lebensqualität beeinträchtigen und es schwieriger machen, Behandlungen und Lebensstiländerungen, die einen zweiten Herzinfarkt verhindern sollen, durchzuhalten. Daher ist es laut Studienautorin Dr. Dominika Kasprzak vom J. Strus Hospital in Poznań wichtig, dass Kardiologen auf Anzeichen für einen geistigen Abbau achten.

Mögliche Ursachen, Faktoren

Keiner der Studienteilnehmer litt vor seinem Herzinfarkt an Demenz oder kognitiven Störungen. Die Forscher versuchten zwar nicht, die Ursachen für die beobachteten geistigen Einbußen zu ermitteln, doch Kasprzak vermutet, dass bei vorübergehenden Auswirkungen andere Faktoren am Werk sein könnten als bei dauerhaften. So könnten beispielsweise psychischer Stress und Schlafstörungen zum Zeitpunkt des Herzinfarkts zu vorübergehenden Defiziten beitragen, während dauerhafte Auswirkungen auf eine Neurodegeneration oder Schädigung des Gehirns hinweisen könnten. Bei Patienten, bei denen es in den Monaten nach einem Herzinfarkt zu verzögerten Verschlechterungen kommt, könnten Faktoren wie Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände eine Rolle spielen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Studienteilnehmer relativ jung waren – im Durchschnitt 60 Jahre alt, ist es laut Kasprzak unwahrscheinlich, dass die hohe Rate an kognitiven Beeinträchtigungen bei den Patienten allein durch normale altersbedingte Rückgänge erklärt werden kann. Allerdings kann das Alter die Auswirkungen verstärken. Bei älteren Patienten und bei Patienten mit Blutmarkern, die auf eine schwerere kardiovaskuläre Erkrankung hinweisen, war die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften kognitiven Beeinträchtigung größer.

© Psylex.de – Quellenangabe: American College of Cardiology




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