Kindesmisshandlung und Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse

Misshandlung in der Kindheit verändert die Aktivität der HPA-Achse (Stressachse) in frühen Lebensabschnitten

26.09.2021 Eine in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlichte Arbeit bestätigt die Präsenz neurobiologischer Veränderungen in den frühen Lebensphasen von Minderjährigen, die Misshandlungen ausgesetzt waren.

Dosis-Wirkungs-Beziehung

Kinder und Jugendliche, die als Kind von Erwachsenen misshandelt wurden, weisen in frühen Lebensphasen Veränderungen in der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA bzw. HHN-Achse oder auch Stressachse genannt) auf, einem der wichtigsten biologischen Mechanismen der Stressregulierung, erklärt Studienautorin Laia Marques von der University of Barcelona.

Außerdem – so fügt sie hinzu – haben sie eine Dosis-Wirkungs-Beziehung beobachtet: Kinder mit schwereren Misshandlungen wiesen stärkere Veränderungen in der Funktion dieser Achse auf.

Einfluss der Häufigkeit

Im Gegensatz zu anderen Studien wurde in dieser Studie auch die Häufigkeit der Kindesmisshandlung als zu berücksichtigende Risikovariable berücksichtigt. Die Studie zeigt, dass bei den Probanden, die über einen längeren Zeitraum hinweg Kindesmisshandlungen ausgesetzt waren, eine größere Funktionsstörung der HPA-Achse auftrat, unabhängig von der Schwere der erlittenen Erlebnisse.

Ausgeprägtere Angst

Die Forscher stellen fest, dass Kinder und Jugendliche mit einer Misshandlungsgeschichte ein höheres Maß an Ängstlichkeit zeigen und eine Hyperaktivierung der basalen Tagesfunktion der HPA-Achse mit hohen Cortisolwerten in der Nacht. Hyperkortisolismus ist ein bekannter Risikofaktor und könnte, so die Autoren, bei diesen Kindern und Jugendlichen zu einer Hyperaktivierung des Vigilanzzustands führen, was unter anderem Störungen des Schlaf-Wach-Zyklus zur Folge hat.

An dieser Studie nahmen Kinder und Jugendliche mit und ohne psychische Störungen teil, die von Kindesmisshandlung betroffen waren oder nicht. Die Teilnehmer wurden mit dem Trierer sozialen Stresstest für Kinder (TSST-C) untersucht, einem Test auf akuten Stress, der die Reaktivität der HPA-Achse auf psychosozialen Stress untersucht.

Hyperreaktive HPA-Achse

Die Forscher stellen fest: Während die Teilnehmer ohne Misshandlungsgeschichte (mit oder ohne Psychopathologie) nach dem akuten Stressor erwartungsgemäß einen Anstieg des Cortisolspiegels zeigten, wiesen Kinder und Jugendliche mit Misshandlungsgeschichte eine abgeflachte und hyperreaktive HPA-Achse auf den Stressor auf.

Allerdings hatten diese Kinder eine ausgeprägte Ängstlichkeit, was eine deutliche Dissoziation zwischen ihrer subjektiven Wahrnehmung von Stress und ihrer biologischen Reaktion zeigt. Dieser Mangel an Plastizität in biologischen Systemen könnte wichtige klinische Auswirkungen haben, die die Fähigkeit behindern, interne Prozesse zu steuern und zu aktivieren, um zukünftige Stresssituationen optimal zu bewältigen, und einen Risikofaktor für die Entwicklung von Verhaltensstörungen oder verschiedenen Psychopathologien darstellen, schließen die Forscher.

© Psylex.de – Quellenangabe: Psychological Medicine (2021). DOI: 10.1017/S003329172100249X

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