Die kognitiven Fähigkeiten von Go-Spielern

Go-Spieler erreichen die höchsten Kognitionswerte

08.06.2021 Wer das alte chinesische Strategiespiel perfekt beherrscht, ist ein Meister der Denkarbeit. Das zeigt eine neue Studie.

Go gilt als eines der komplexesten Denk- und Strategiespiele, das weltweit von über 100 Millionen Menschen gespielt wird. Während im Schach bereits im Jahr 1996 erstmals ein Mensch von einem Computer besiegt wurde, gelang dies im Go erst 2016. Kognitive Fähigkeiten von Schachspielern sind recht gut erforscht, dagegen lagen zu Go-Spielern bisher wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vor.

Prof. Dr. Marc Oliver Rieger und Prof. Dr. Mei Wang haben nun in einer Studie herausgefunden, dass Go-Spieler in zwei Kognitionsbereichen geradezu hervorstechen: Sie verfügen über eine extrem hohe „Cognitive Reflection“ – handeln also äußerst durchdacht und reflektiert – und über eine hohe „Theory of Mind“ – sie können sich hervorragend gedanklich in andere hineinversetzen und beispielsweise Spielzüge antizipieren.

Tests beim Turnier

An der Studie des Wissenschaftlers der Universität Trier und der Wissenschaftlerin der WHU – Otto Beisheim School of Management nahmen insgesamt 327 Spielerinnen und Spieler während zweier Go-Turniere in Europa teil. Die Probanden absolvierten dazu unter anderem den in den Kognitionswissenschaften etablierten Cognitive Relation Test (CRT). Damit wird untersucht, ob Probanden zu einem intuitiven oder zu einem durchdachten, also kognitiv reflektierten Handeln neigen.

Die 327 teilnehmenden Go-Spieler erreichten die höchsten bisher in einer Studie gemessenen CRT-Werte. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegt er bei 0,7, während Studierende amerikanischer Topuniversitäten auf etwa 2,0 kamen. Bei den Spitzenspielern der beiden Go-Turniere ermittelten Marc Oliver Rieger und Mei Wang einen CRT-Wert von 2,8. Der Durchschnittswert aller Go-Turnierspieler war 2,51. Nach den Erkenntnissen der Studie scheint kognitive Reflektion ein zentraler Erfolgsfaktor im Go-Spiel zu sein.

Training verbessert „Theory of Mind“

Die Studienergebnisse zeigen aber auch, dass diese Eigenschaft nicht ohne weiteres trainierbar ist. So wirkt sich häufiges Go-Spielen nicht zwangsläufig positiv auf den CRT-Wert aus. Das sieht in dem zweiten von den Wissenschaftlern untersuchten Kognitionsbereich, der „Theory of Mind“, anders aus. Rieger und Wang stellten fest, dass diejenigen, die oft oder seit vielen Jahren Go spielen einen höheren „Theory of Mind“-Level erreichen. Gut trainierte Go-Spieler sind also besser darin, die Gedanken und Absichten anderer zu erkennen und deren Handlungen zu erahnen als Gelegenheitsspieler oder Anfänger.

Eine Verbindung von „Theory of Mind“ mit der Spielstärke ließ sich dagegen nicht erkennen. Dass Topspieler über eine außergewöhnliche kognitive Reflektion verfügen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch ihre „Theory of Mind“-Fähigkeiten extrem hoch sind.

Das Strategie- und Denkspiel Go

Das aus China stammende Go gehört zu den ältesten Strategiespielen und ist bis heute in Ostasien am weitesten verbreitet. Nach Zahlen des britischen Go-Verbandes wird es weltweit von über 100 Millionen Menschen gespielt. Unter den westlichen Ländern ist Go in Deutschland mit am populärsten. Hier koordinieren der Deutsche Go-Bund und seine Landesverbände das wettbewerbsmäßige Go-Spielen. Seit der Saison 2005/2006 gibt es eine online durchgeführte Go-Bundesliga. Daneben werden Deutsche Meisterschaften in verschiedenen Kategorien ausgespielt.

Die Studie: Marc Oliver Rieger, Mei Wang: „Cognitive Reflection and Theory of Mind of Go Players“. In: Advances in Cognitive Psychology, Volume 17 (2), S. 117-128. https://ac-psych.org/en/issues . Zum PDF-Download: https://ac-psych.org/en/download-pdf/id/328

Quellenangabe: Pressemitteilung Universität Trier




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