Missachtung der Körperuhr: Zusammenhang mit Depressivität und Wohlbefinden

Ein gestörter Schlafrhythmus kann Depressivität und geringeres Wohlbefinden mit sich bringen

08.06.2021 Menschen, deren Schlafrhythmus gegen ihre natürliche Körperuhr verläuft, leiden eher an Depressionen und haben ein geringeres psychisches Wohlbefinden laut einer in Molecular Psychiatry veröffentlichten Studie.

Die von der University of Exeter geleitete Studie fand auch den bisher solidesten Beleg dafür, dass eine genetische Veranlagung zum Frühaufsteher vor schweren Depressionen schützt und das Wohlbefinden verbessert. Die Forscher vermuten, dass dies daran liegen könnte, dass die Gesellschaft durch den üblichen Arbeitsrhythmus von 9 bis 17 Uhr eher auf Frühaufsteher ausgerichtet ist.

Frühaufsteher oder Nachtschwärmer

Das Team um Jessica O’Loughlin baute auf früheren Forschungen auf, in denen 351 Gene kartiert wurden, die damit zusammenhängen, ob man ein Frühaufsteher oder ein Nachtschwärmer ist. Sie setzten ein statistisches Verfahren namens Mendelsche Randomisierung ein, um zu untersuchen, ob diese Gene kausal mit sieben psychischen Gesundheits- und Wohlbefindensmerkmalen, einschließlich schwerer Depressionen, verbunden sind.

Dazu nutzten sie Daten von mehr als 450.000 britischen Erwachsenen aus der biomedizinischen Datenbank und Forschungsressource UK Biobank. Neben den genetischen Informationen gaben die Teilnehmer auch an, ob sie ein Morgen- oder ein Abendmensch sind.

„Sozialer Jetlag“

Das Team entwickelte auch ein neues Maß für den „sozialen Jetlag“, das die Variation im Schlafmuster zwischen Arbeit und freien Tagen misst. Sie maßen dies bei mehr als 85.000 UK Biobank-Teilnehmern, für die Schlafdaten verfügbar waren, über am Handgelenk getragene Aktivitätsmonitore.

Sie fanden heraus, dass Menschen, die stärker von ihrer natürlichen Körperuhr abwichen, eher über Depressionen und Ängste berichteten und ein geringeres Wohlbefinden hatten.

Frühaufsteher besser vor Depressionen geschützt

Und sie fanden die bisher stichhaltigsten Hinweise darauf, dass das frühere Aufstehen besser vor Depressionen schützt und das psychische Wohlbefinden verbessert.

Insgesamt stellte das Forschungsteam fest, dass Menschen, die morgens arbeiten, sich eher an ihrer natürlichen Körperuhr orientieren.

Sie testeten dann den Effekt, indem sie Schichtarbeiter untersuchten, und fanden heraus, dass frühes Aufstehen möglicherweise nicht schützend gegen Depressionen bei Schichtarbeitern wirkt, was bedeutet, dass Morgenmenschen, die im Schichtdienst arbeiten, möglicherweise keine verbesserte psychische Gesundheit und kein besseres Wohlbefinden haben, allerdings war dies nicht eindeutig.

© psylex.de – Quellenangabe: Mol Psychiatry (2021). https://doi.org/10.1038/s41380-021-01157-3




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