Misshandelte Kinder werden später eher drogensüchtig

Zusammenhänge zwischen Kindesmisshandlung und Krankenhausaufnahmen wegen Alkohol- und anderer substanzbedingter Störungen bis zum Alter von 40 Jahren

Misshandelte Kinder werden später eher drogensüchtig

19.04.2024 Eine in der Fachzeitschrift Addiction veröffentlichte Studie hat ergeben, dass in der Kindheit misshandelte Personen bis zum Alter von 40 Jahren dreimal häufiger wegen Alkohol- und anderen Drogenkonsumstörungen ins Krankenhaus aufgenommen werden, als nicht-misshandelte Personen.

Für die Studie wurden Daten von über 6.000 Kindern herangezogen, die zwischen 1981 und 1983 im Mater Mothers Hospital in Brisbane, Australien, geboren wurden. Bei zehn Prozent dieser Kinder (609 Kinder) gab es bis zum Alter von 15 Jahren mindestens eine (gemeldete oder bestätigte) Meldung von Kindesmisshandlung.

Risiko für Hospitalaufnahmen aufgrund von Alkohol oder anderen Drogen

Im Vergleich zu den übrigen Kindern hatten diese 609 Kinder eine 2,86-mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhausaufnahme wegen Alkoholproblemen und eine 3,34-mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhausaufnahme wegen einer anderen Drogensucht. Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung sowohl bei Alkohol- als auch bei Drogenkonsumstörungen war mehr als dreimal so hoch bei Personen, die mehr als zwei behördlich gemeldete Misshandlungsfälle aufwiesen.

Eine Misshandlung wurde als „gemeldet“ definiert, wenn in der Kindheitsgeschichte einer Person eine oder mehrere behördlich gemeldete Misshandlungsfälle auftraten. Die Kinderschutzdienste stuften Misshandlungen als „fundiert“ ein, wenn es hinreichende Gründe für die Annahme gab, dass das Kind missbraucht oder vernachlässigt wurde, wird oder werden könnte.

Misshandlung in der Kindheit

In der Studie wurde die Misshandlung in der Kindheit auch in körperlichen Missbrauch, sexuellen Missbrauch, emotionalen Missbrauch und Vernachlässigung unterteilt. Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung wegen Alkoholmissbrauchs war am höchsten (3,48-mal höher) bei Personen, die vor dem 16. Lebensjahr eine gesicherte Meldung wegen sexuellen Missbrauchs hatten. Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhausaufnahme wegen einer Substanzkonsumstörung war am höchsten (3,10-mal höher) bei Personen mit behördlich gemeldeten Fällen von emotionalem Missbrauch vor dem 16. Lebensjahr.

Die Hauptautorin der Studie Dr. Claudia Bull vom Queensland Center for Mental Health Research sagt: „Die meisten bisherigen Untersuchungen zu negativen Einflüssen in der Kindheit und zu Alkohol- und Drogenkonsumstörungen haben sich auf körperlichen und sexuellen Missbrauch konzentriert. Wir wollten vor allem wissen, ob emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung ebenso stark mit späteren Alkohol- und Drogenproblemen verbunden sind. Wie wir vermutet hatten, ist die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung wegen Alkohol- und Substanzkonsumstörungen bei allen Subtypen von Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit vergleichbar“.

Zusätzliche Erkenntnisse aus dieser Studie (in jedem Fall bedeutet „Kindheit“ unter 16 Jahren):

Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhausaufnahme wegen Alkoholproblemen war:

  • 2,88-mal höher für fundierte Meldungen von Vernachlässigung in der Kindheit
  • 2,87-mal höher für fundierte Meldungen von emotionalem Missbrauch in der Kindheit
  • 2,71-mal höher für fundierte Meldungen von körperlicher Misshandlung in der Kindheit.

Die Wahrscheinlichkeit einer Klinikaufnahme wegen Problemen mit anderen Drogen war:

  • 3,10-mal höher für fundierte Meldungen von Vernachlässigung in der Kindheit
  • 2,85-mal höher für fundierte Meldungen von körperlicher Misshandlung in der Kindheit
  • 2,52-mal höher für fundierte Meldungen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit
  • 2,47-mal höher für fundierte Meldungen von emotionalem Missbrauch in der Kindheit.

© Psylex.de – Quellenangabe: Addiction (2024). DOI: 10.1111/add.16479

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