Musik hören / Musiktherapie gegen Stress – Studien

Studien zeigen: Musikinterventionen können Stress wirksam abbauen

28.10.2021 Stress ist zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Die Forschung zeigt, dass die negativen Auswirkungen von Stress ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von körperlichen und psychischen Gesundheitsproblemen sind.

Daraus folgt, dass wir versuchen, uns auf vielfältige Weise vor täglichem und anhaltendem Stress zu schützen. Musikinterventionen (Musik hören, Musiktherapie) scheinen ein wirksames und kosteneffizientes Instrument zu sein.

Um ihre Wirksamkeit zu untersuchen, analysierten die Forscherin Martina de Witte und ihre Kollegen Hunderte von Studien mit insgesamt mehr als 12.000 Teilnehmern.

Da bekannt ist, dass das Hören und Musizieren von Musik Stress abbauen kann, werden Musikinterventionen zunehmend in der medizinischen und psychiatrischen Versorgung eingesetzt. Der erlebnis- und handlungsorientierte Ansatz von Musikinterventionen macht sie zudem besonders geeignet für Menschen mit geistigen Behinderungen, sagt De Witte.

Neben der Analyse der Wirkungen untersuchten sie und ihr Team den genauen Einsatz der verschiedenen Arten von Musikinterventionen und welche Aspekte dieser Interventionen bei der Behandlung von stressbedingten Beschwerden wichtig sind. In der Praxis, stellen sie fest, dass vor allem zwei Arten von Musikinterventionen eingesetzt werden:

  1. „musikmedizinische“ Interventionen, bei denen es darum geht, sich durch das Hören spezifischer Entspannungsmusik zu entspannen, und
  2. musiktherapeutische Interventionen, die zur Behandlung von Stress und Anspannung eingesetzt werden.

Bei letzteren handelt es sich um zielgerichtete und methodische Interventionen, die von einem qualifizierten Musiktherapeuten angeboten werden und das Hören von Musik und das gemeinsame Musizieren beinhalten, wie z. B. Songwriting, gemeinsames Singen oder musikalische Improvisation.

Hochwertige Belege für die Wirksamkeit von Musikinterventionen

In einer ersten Studie analysierten De Witte und Kollegen über 100 Studien mit insgesamt fast 10.000 Teilnehmern, von denen 4.838 an einer Musikinterventionsgruppe (musikalische Aktivitäten oder Musiktherapie) teilnahmen. Die Interventionen fanden in klinischen, medizinischen, arbeits- oder studienbezogenen Einrichtungen statt. Die übrigen 4.779 Teilnehmer bildeten die Kontrollgruppe.

Diese erste Studie zeigte, dass Musikinterventionen kleine bis mittelgroße positive Auswirkungen sowohl auf die physiologische stressbedingte Erregung (erhöhter Blutdruck, Herzfrequenz, Hormonspiegel) als auch auf das Stresserleben (Ängstlichkeit, Unruhe oder Nervosität) haben.

  • Musik scheint in der Lage zu sein, die mit Stress verbundenen physiologischen Effekte wie erhöhte Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz zu reduzieren.
  • Musik hat positive Auswirkungen auf das subjektive Erleben von Stress, wie das Gefühl, nicht in der Lage zu sein, ihn zu bewältigen, Sorgen und Nervosität.

Diese Studie liefert hochwertige Belege dafür, dass Musikinterventionen Stress wirksam reduzieren können, und rechtfertigt somit den zunehmenden Einsatz von Musikinterventionen sowohl in der medizinischen als auch in der psychiatrischen Praxis, argumentiert De Witte.

Musiktherapie scheint besonders wirksam bei Stressabbau zu sein

In einer zweiten Studie haben De Witte und Kollegen eine systematische Analyse von Studien über die stressreduzierende Wirkung musiktherapeutischer Interventionen vorgenommen. Das Ergebnis war eine Übersicht über insgesamt 47 Studien mit einer Kontrollgruppe von 2.747 Personen.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Musiktherapie eine mittlere bis große Wirkung auf stressbedingte Ergebnisse hat. Sie haben festgestellt, dass insbesondere Musiktherapie Stress wirksam reduziert. Dies lässt sich möglicherweise durch den persönlichen, maßgeschneiderten Ansatz des Musiktherapeuten erklären, der speziell dafür ausgebildet ist, die Musik auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen, schließt De Witte.

De Witte zufolge rechtfertigen diese Ergebnisse den zunehmenden Einsatz der Musiktherapie durch einen qualifizierten Musiktherapeuten sowohl im Bereich der psychischen Gesundheit als auch in der medizinischen Praxis. In Anbetracht des Mehrwerts, den qualifizierte Musiktherapeuten bieten, empfiehlt De Witte, sorgfältig zu prüfen, ob eine Musiktherapie notwendig ist oder ob Interventionen zum Musikhören, wie sie bereits von vielen Leistungserbringern angeboten werden, ausreichend sind.

Insgesamt kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Musikinterventionen in Form von Musikhören und Musiktherapie, die von speziell ausgebildeten und geschulten Therapeuten durchgeführt werden, für Patienten sowohl in medizinischen als auch in psychiatrischen Einrichtungen von großem Nutzen sein können.

© Psylex.de – Quellenangabe: University of Amsterdam

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