Psychologie: Aus Liebe zur Anstrengung

Studie untersuchte Zusammenhang zwischen der individuellen Anstrengungsbereitschaft und der tatsächlichen Anstrengung

Psychologie: Aus Liebe zur Anstrengung

04.09.2023 In einer aktuellen Studie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 940 „Volition und Kognitive Kontrolle“ der TU Dresden untersuchten Psycholog:innen den Zusammenhang zwischen der individuellen Anstrengungsbereitschaft und der tatsächlichen Anstrengung. Das Team konnte zeigen, dass Personen mit einer hohen Anstrengungsbereitschaft effizienter und unabhängig von Belohnungen oder Anreizen handeln. Damit trägt die Studie zu einem besseren Verständnis dazu bei, wie Situationen und Persönlichkeit den Aufwand für zielgerichtetes Verhalten beeinflussen.

Die kognitive Anstrengungsbereitschaft beschreibt in der Psychologie ein menschliches Merkmal, welches die Tendenz, sich in Anforderungssituationen zu engagieren, beschreibt. Sie gilt als Teilkomponente der Motivation.  Die Anstrengungsbereitschaft ist ein bedeutender Faktor für den Lern- und Berufserfolg. Doch warum nehmen einige Person größere Anstrengungen in Kauf als andere und wie kann der Schritt von der Anstrengungsbereitschaft zur Anstrengungsrealisierung gelingen? Mit dieser Frage hat sich nun ein Team des Sonderforschungsbereichs 940 „Volition und Kognitive Kontrolle“ befasst. Ziel war es zu verstehen, wie Situationen und Persönlichkeit die Anstrengungsbereitschaft beeinflussen.

Ein anschauliches Beispiel lässt sich hier aus dem schulischen Kontext heraus generieren: Für die Vorbereitung auf eine Klassenarbeit investieren einige Schüler:innen nur so viel Ressourcen wie nötig ins Lernen. Andere wiederrum lernen aus Freude an den Inhalten und mit dem Ziel, Neues zu lernen, zu verstehen, zu lösen. „Unsere Ergebnisse liefern nun Anhaltspunkte dafür, dass sich Personen mit einer hohen Anstrengungsbereitschaft Wissen effizienter aneignen, auch wenn das Lernen mit Schwierigkeiten verbunden ist, als Personen mit einer geringen Ausprägung in diesem Merkmal. Dabei hat die in Aussicht gestellte Note oder ein anderer Anreiz, wie zum Beispiel ein Eis nach dem Lerntag, keinen Einfluss auf das Lernverhalten von Personen mit einer hohen Anstrengungsbereitschaft. Personen mit einer niedrigen Anstrengungsbereitschaft würden ihre Lernanstrengung durch Belohnungen eher erhöhen“, erklärt Studienleiterin Corinna Kührt.

An der Studie nahmen insgesamt 148 Personen teil. Während der Bearbeitung von zwei kognitiven Kontrollaufgaben wurde die kognitive Anstrengungsbereitschaft der Teilnehmenden systematisch mit der tatsächlichen Anstrengungsbereitschaft in Beziehung gesetzt. Um mehrere Dimensionen der tatsächlichen Anstrengungsbereitschaft zu messen, nutzte das Studienteam eine Vielzahl an Methoden, darunter Fragebögen, Leistungsmessungen, Elektroenzephalographie und Eye-Tracking. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Personen mit hoher kognitiver Anstrengungsbereitschaft ihre Anstrengung effizienter und unabhängig von der Belohnung ausüben.

Die Ergebnisse bieten eine Erklärung für individuelle Unterschiede in der Bereitschaft sich anzustrengen. Weiterhin zeigen sie, dass Belohnungen und Anreize nicht generell förderlich sind, sondern vielmehr typabhängig, d. h. von der individuellen Persönlichkeit. Daher sollte ein Ziel sein, Situationen zu schaffen, die individuell unterstützend wirken. Weniger das Ergebnis als vielmehr die Anstrengung zu belohnen, steigert nicht nur die Motivation, sondern auch die Performance.

Original Publikation: Corinna Kührt, Sven-Thomas Graupner, Philipp C. Paulus, Alexander Strobel. Cognitive effort investment: Does disposition become action? PLOS ONE. August, 22, 2023. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0289428

Quellenangabe: Pressemitteilung TU Dresden

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