Psychologische Therapien bei chronischen Kreuzschmerzen: Wirksamkeit

Studie untersuchte Wirksamkeit von psychologischen Interventionen bei chronischen, unspezifischen Kreuzschmerzen

31.03.2022 Die von Emma Ho und Professor Paulo Ferreira von der Universität Sydney (Australien) geleitete Studie deutet darauf hin, dass eine Kombination aus Physiotherapie und psychologischen Maßnahmen wirksamer zur Verbesserung der körperlichen Funktion und der Schmerzintensität beiträgt – Ergebnisse, die dazu beitragen können, die Leitlinienempfehlungen klarer zu formulieren, um Patienten und Ärzte bei der Entscheidungsfindung besser zu unterstützen.

Erwachsene mit chronischen Kreuzschmerzen (die länger als 12 Wochen andauern) leiden nicht nur unter körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch unter psychischen Problemen in Form von Angst, Depression und Angstvermeidung (Vermeidung von Bewegung aus Angst vor Schmerzen).

In klinischen Leitlinien wird daher immer wieder eine Kombination aus Bewegung und psychosozialen Therapien zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen (Schmerzen im unteren Rücken) empfohlen. Über die verschiedenen Arten von psychologischen Therapien und ihre Wirksamkeit ist jedoch nicht viel bekannt, so dass Ärzte und Patienten oft im Unklaren darüber sind, welche Behandlung am besten geeignet ist.

Die Studie

Um diese Ungewissheit zu beseitigen, untersuchten australische und kanadische Forscher die vergleichende Wirksamkeit und Sicherheit gängiger psychologischer Therapien auf die körperliche Funktion und die Schmerzintensität bei Erwachsenen mit chronischen Kreuzschmerzen.

Sie durchforsteten Forschungsdatenbanken nach randomisierten, kontrollierten Studien, in denen psychologische Interventionen mit beliebigen Vergleichsinterventionen bei Erwachsenen mit chronischen, unspezifischen Kreuzschmerzen verglichen wurden.

Psychologische Interventionen

Die psychologischen Behandlungen wurden in sechs Gruppen eingeteilt: verhaltenstherapeutische Interventionen, kognitive Verhaltenstherapien, Achtsamkeit, psychologische Beratung, Schmerzerziehungsprogramme und zwei oder mehr kombinierte psychologische Ansätze (z. B. Schmerzerziehung in Verbindung mit Verhaltenstherapie).

Die Vergleichsinterventionen wurden als physiotherapeutische Behandlung, hausärztliche Behandlung, Beratung, keine Intervention und übliche Behandlung klassifiziert.

Insgesamt wurden 97 randomisierte kontrollierte Studien mit 13.136 Teilnehmern und 17 Behandlungsansätzen einbezogen, die meisten davon wurden zwischen 2011 und 2021 veröffentlicht und in Europa durchgeführt.

Verbesserung der körperlichen Funktion und der Schmerzintensität

Insgesamt stellten die Forscher fest, dass im Vergleich zu einer alleinigen physiotherapeutischen Behandlung eine physiotherapeutische Behandlung in Kombination mit psychologischen Maßnahmen wirksamer zur Verbesserung der körperlichen Funktion und der Schmerzintensität war.

Im Vergleich zur alleinigen physiotherapeutischen Behandlung zeigen die Ergebnisse, dass sowohl die kognitive Verhaltenstherapie als auch die Schmerzerziehung im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung zu klinisch bedeutsamen Verbesserungen der körperlichen Funktion bis zu zwei Monate nach der Behandlung führten.

Der klinische Nutzen der Schmerzerziehung für die körperliche Funktion war jedoch nachhaltiger und hielt bis zu 6 Monate nach der Behandlung an.

Bei der Schmerzintensität führten Verhaltenstherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Schmerzerziehung in Verbindung mit physiotherapeutischer Betreuung bis zu 2 Monate nach der Behandlung zu klinisch bedeutsamen Effekten.

Nur die Verhaltenstherapie, die zusammen mit der Physiotherapie durchgeführt wurde, behielt diese klinisch bedeutsamen Auswirkungen auf die Schmerzintensität bis zu 12 Monate nach der Behandlung bei.

Angstvermeidung

Und während die kognitive Verhaltenstherapie in Verbindung mit Physiotherapie die wirksamste Intervention zur Verringerung der Angstvermeidung bis zu 2 Monate nach der Behandlung war, wurden die nachhaltigsten Effekte bei der Angstvermeidung mit Schmerzaufklärungsprogrammen in Verbindung mit Physiotherapie erzielt.

Unerwünschte Wirkungen

Von den 20 Studien, die genügend Informationen über unerwünschte Wirkungen lieferten, berichteten 12 (60 %) eindeutig, dass in keiner der Interventionsgruppen unerwünschte Ereignisse auftraten. Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass die Qualität der Berichte über Sicherheitsdaten mangelhaft ist.

Es handelte sich um eine gut konzipierte Untersuchung, die ein breites Spektrum gängiger psychologischer Interventionen erfasste und Ergebnisse untersuchte, die für Patienten und Kliniker von Bedeutung sind. Die Forscher räumen jedoch einige Einschränkungen ein, darunter Unterschiede im Studiendesign und in der Qualität, die ihre Ergebnisse beeinflusst haben könnten.

Dennoch schreiben sie: „Bei Menschen mit chronischen, unspezifischen Kreuzschmerzen sind psychologische Interventionen am wirksamsten, wenn sie in Verbindung mit physiotherapeutischer Betreuung (hauptsächlich strukturierte Übungen) durchgeführt werden. Programme zur Schmerzerziehung und Verhaltenstherapie führen zu den nachhaltigsten Behandlungseffekten; es besteht jedoch weiterhin Unsicherheit hinsichtlich ihrer langfristigen Wirksamkeit“.

Sie schlussfolgern: „Die Ergebnisse unserer Studie können genutzt werden, um klarere Leitlinienempfehlungen für den Einsatz spezifischer psychologischer Interventionen zur Behandlung chronischer, unspezifischer Kreuzschmerzen zu geben und die Entscheidungsfindung von Patienten und Ärzten zu unterstützen.“

© Psylex.de – Quellenangabe: The BMJ (2022). DOI: 10.1136/bmj-2021-067718




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