Raucher haben ein höheres Suizidrisiko

Höheres Suizidrisiko durch Tabakkonsum; wie Nikotin depressiv macht

26.06.2021 Eine im International Journal of Environmental Research and Public Health veröffentlichte Studie untersuchte den möglichen Zusammenhang zwischen Rauchen und verschiedenen suizidalen Verhaltensweisen: Suizidgedanken und Planung, Suizidversuche und vollendetem Suizid.

Nach der Analyse von insgesamt 2.436 wissenschaftlichen Forschungsartikeln zu diesem Thema umfasste die Metaanalyse schließlich Daten aus 20 Artikeln mit einem höheren Evidenzgrad, da es sich um prospektive Studien mit insgesamt 2.457.864 Teilnehmern handelt.

Tabakkonsum, Risikofaktor für Suizid

Dr. Iván Echeverria vom Hospital Provincial of Castellón und Kollegen konnten zeigen, dass Rauchen das Suizidrisiko um den Faktor 2,5 erhöhte. Doch scheint dieser Wert bei ehemaligen Rauchern zu sinken. Dieses Muster scheint sich über das gesamte Spektrum der Suizidalität zu erstrecken, denn das Risiko für Suizidgedanken war bei Rauchern 1,84-mal höher, und nur 1,35-mal höher bei Personen, die mit dem Tabakkonsum aufgehört hatten.

Die Studienautoren betonen, wie wichtig es ist, diese Informationen in die Suizidprävention einzubeziehen: Tabak bzw. Rauchen wird in Skalen zur Bewertung des Suizidrisikos nicht als unabhängiger prädisponierender Faktor betrachtet. Eine der am häufigsten verwendeten Skalen in psychiatrischen Notfalldiensten ist SAD PERSONS, die toxische Gewohnheiten wie Alkoholismus einschließt, aber nicht das Rauchen, sagen sie.

Rauchende Frauen und Pandemie: höheres Risiko

In ihrer klinischen Praxis während der COVID-19-Pandemie beobachteten die Forscher einen signifikanten Anstieg der Suizidversuche, insbesondere bei der jungen weiblichen Bevölkerung. Die Zahlen dieser Studie zeigen, dass Frauen, die rauchen, ein höheres Suizidrisiko haben als Männer, was die Wissenschaftler zu der Überlegung veranlasste, inwieweit Geschlechtsunterschiede das suizidale Verhalten sozial beeinflussen.

Biologische Erklärung

Eine der möglichen biologischen Erklärungen für den Zusammenhang zwischen Tabak und Suizid ist die Rolle von Nikotin im zentralen Nervensystem, das den Serotoninspiegel im Hippocampus senken und die enzymatische Aktivität der an affektiven Prozessen beteiligten Neurotransmitter verändern könnte.

Doktor Gonzalo Haro, leitender Forscher der an der Studie beteiligten TXP-Gruppe der CEU UCH erläutert: Eine der bisher am meisten unterstützten Hypothesen bei Depression und Suizid ist die Abnahme von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Rauchen würde diese Veränderungen noch verstärken und damit den gegenteiligen Effekt haben, den man mit Antidepressiva anstrebt, nämlich ängstlich-depressive Symptome hervorzurufen, die der Nährboden für einen Suizid sein könnten.

© psylex.de – Quellenangabe: International Journal of Environmental Research and Public Health (2021). DOI: 10.3390/ijerph18116103

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