Tiefe Hirnstimulation bei behandlungsresistenter Schizophrenie

Tiefe Hirnstimulation der Substantia Nigra Pars Reticulata bei therapieresistenter Schizophrenie: Ein Fallbericht

27.06.2021 Der Umgang mit Schizophrenie ist ein lebenslanger Prozess, und obwohl es keine Heilung gibt, kann die Krankheit mit Medikamenten und Therapie verbessert werden. Ein Fünftel bis die Hälfte der Patienten mit Schizophrenie mit schweren Symptomen sprechen jedoch nicht auf Medikamente an.

Nun haben Forscher der Johns Hopkins Medicine einen neuen Weg gefunden, um Patienten mit therapieresistenter Schizophrenie zu behandeln, indem sie dieselbe Art von tiefer Hirnstimulation verwenden, die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und anderer Bewegungsstörungen eingesetzt wird.

Substantia nigra

Die in der Zeitschrift Biological Psychiatry veröffentlichte Fallstudie beschreibt, wie dieses Verfahren auf die Substantia nigra pars reticulata abzielt – einen Teil des Gehirns, der ein wichtiger Knotenpunkt für Schaltkreise ist, die an der Kontrolle des Lernens, der exekutiven Funktionen und Verhaltensweisen sowie der Emotionen beteiligt sind. Wenn dieser Teil des Gehirns durch tiefe Hirnstimulation moduliert wird, zeigte sich eine Symptomlinderung bei behandlungsresistenter Schizophrenie.

Sofortige Symptomlinderung durch Hirnstimulation

Für die Studie behandelten Dr. Nicola Cascella von der Johns Hopkins University School of Medicine und sein Team eine 35-jährige weiße Frau mit einer behandlungsresistenten paranoiden Schizophrenie, die von einer Zwangsstörung begleitet wurde. Ihre Symptome bestanden aus anhaltenden auditiven und visuellen Halluzinationen, Gedankenübertragung – wenn jemand glaubt, dass seine Gedanken hörbar sind – und Verfolgungswahn. Antipsychotische Medikamente, einschließlich Clozapin, konnten ihre Symptome nicht lindern.

Nach einem Jahr tiefer Hirnstimulation hat sich der Zustand der Patientin stabil verbessert, ohne dass es zu signifikanten Komplikationen oder unerwünschten Reaktionen im Zusammenhang mit dem implantierten Gerät kam. Die Patientin berichtete über eine sofortige und vollständige Auflösung der chronischen Halluzinationen gleich zu Beginn der Stimulation. Infolgedessen ist sie dabei, die Dosis ihrer antipsychotischen Medikamente zu reduzieren und hat eine verbesserte Lebensqualität.

Auch wenn die langfristige Wirksamkeit noch in größeren Studien geprüft werden muss, geben diese Ergebnisse Hoffnung für Patienten mit schwerer, behandlungsresistenter Schizophrenie. Sie legen nahe, dass die tiefe Hirnstimulation bei Schizophrenie wirksamer sein könnte als die Ansprechraten, die in mehreren klinischen Studien mit antipsychotischen Medikamenten beobachtet wurden, schreibt das Forscherteam.

© psylex.de – Quellenangabe: Biological Psychiatry (2021). DOI: 10.1016/j.biopsych.2021.03.007

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