Postpartale affektive Störung; Postnatale Stimmungskrisen

Postpartale affektive Störung; Postnatale Stimmungskrisen

Psychische Störungen

Definition

Definition: Postpartale Stimmungskrisen (von lat. partus Geburt, Entbindung) bzw. postpartale affektive Störungen sind psychische Zustände oder Störungen, die nach der Geburt auftreten. Die Symptome können z.B. Niedergeschlagenheit, Depression sein oder sich sogar zu schweren Psychosen entwickeln. Frauen sind öfter als Männer davon betroffen.

Man unterscheidet bislang Postpartales Stimmungstief (Babyblues, Heultage), Postpartale (oder postnatale) Depression (PPD) und Postpartale Psychose (PPP).

Ungefähr 15% der Frauen leiden unter Depressionen rund um die Geburt (perinatal). Die Postpartum-Psychose tritt bei etwa 1-2 pro tausend Frauen nach der Geburt auf. Die Depression nach der Geburt betrifft schätzungsweise 1% bis 26% der neuen Väter. Die Postpartum-Psychose ist eine der Hauptursachen für Kindermord / Kindstötung im Alter von weniger als einem Jahr.

Dauer und erneutes Auftreten

27.09.2017 Postpartale affektive Störungen (auch postnatale Stimmungskrisen genannt) – einschließlich postpartaler (postnataler) Depression (PPD; auch Wochenbettdepression genannt) – betrifft mehr als eine von zweihundert Frauen ohne frühere psychische Störung und erhöht das Risiko für eine spätere affektive Störung für diese Frauen.

Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die Marie-Louise Rasmussen vom Statens Serum Institut, Dänemark, und Kollegen in PLOS Medicine veröffentlicht haben.

Die Postpartale Depression betrifft schätzungsweise 5 – 15% Prozent aller Frauen nach der Geburt und ist damit die häufigste postnatale Komplikation bei der Geburt. In der neuen Studie analysierten die Forscher Daten von 457.317 Frauen aus den dänischen nationalen Registern, die zwischen 1996 und 2013 ein erstes Kind (und nachfolgende Geburten) bekamen und keine vorherigen Aufnahmen in ein psychiatrisches Krankenhaus vorwiesen, sowie keine antidepressiven Medikamente einnahmen.

Postpartale affektive Störung wurde festgemacht an der Verschreibung von Antidepressiva oder dem Kontakt mit einem Krankenhaus aufgrund von depressiven Störungen innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt.

  • In der dänischen Kohorte führten 0,6 % aller Geburten bei Frauen ohne eine Vorgeschichte psychiatrischer Erkrankungen zu einer postpartalen affektiven Störung.
  • Ein Jahr nach der ersten Behandlung befanden sich 27,9 % dieser Frauen noch immer in Behandlung; nach vier Jahren waren es 5,4 %.
  • Bei Frauen, die ein Krankenhaus wegen Depressionen nach der ersten Geburt aufsuchten, lag das Risiko eines erneuten Auftretens nach der Geburt bei 21%; bei Frauen, die nach der ersten Geburt Antidepressiva einnahmen, bei 15%.

Diese Quote zeigt, dass das Risiko für ein erneutes Auftreten von postpartalen Stimmungskrisen bei Frauen mit postnataler affektiver Störung nach der ersten Geburt 46-mal bzw. 27-mal höher ist als bei Frauen ohne Vorgeschichte einer affektiven Störung, schreiben die Wissenschaftler.

Diese bevölkerungsbezogenen Zahlen bieten Ärzten, die Frauen mit Stimmungskrisen nach der Geburt behandeln, wertvolle Anhaltspunkte, schreiben die Autoren. Sie unterstreichen die Ernsthaftigkeit einzelner anfänglicher Episoden und betonen die Notwendigkeit sowohl primärer als auch sekundärer Präventivmaßnahmen, von denen mehrere existieren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Statens Serum Institut; PLOS Medicine – doi.org/10.1371/journal.pmed.1002392
; Sept. 2017

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