Borderliner und ihre Stoff-, Plüschtiere

Borderline Störung / Syndrom:
Stofftiere, Plüschtiere, Kuscheltiere

News aus der Forschung zur psychologischen Bedeutung von Plüschtieren, Kuscheltieren, Steiftieren, Puppen und anderen Übergangsobjekten von Borderlinern.

Emotionsregulation durch Kuscheltiere

09.11.2017 Eine im Fachblatt Scientific Reports veröffentlichte Studie der Universität Ulm stellte fest, dass Borderliner eine enge emotionale Verbindung zu ihren Stoff- bzw. Plüschtieren aufbauen, und diese eine emotionsregulierende Wirkung haben.

Laut den Psychologen und Psychiatern um Professor Markus Kiefer haben Plüsch- und Stofftiere einen protektiven und positiven Effekt, da sie wärmen, trösten und Bindung geben. Und nicht nur Kinder sondern auch Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung profitieren von diesen Wirkungen.

Emotionale Bedeutung

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Bild: Bruno Glätsch

Besonders wenn diese unter Bindungsangst oder Depression leiden, können die Steif- bzw. Kuscheltiere bei der Emotionsregulation helfen.

„Kuscheltiere haben für kleine Kinder eine besondere emotionale Bedeutung. In der Bindungstheorie gelten sie als ein sogenanntes Übergangsobjekt, das die frühe Mutter-Kind-Beziehung repräsentiert. Es erinnert das Kind an die Mutter und stellt eine Brücke zwischen ihm und der Außenwelt dar“, schreibt der Psychologe.

Hinweis auf Persönlichkeitsstörungen

Bei Erwachsenen können solche Kuscheltiere oder ähnliche Übergangsobjekte mit intensiver emotionaler Wichtigkeit auf Persönlichkeitsstörungen hindeuten. Dabei können sie als Beruhigungs- und Schlafhilfe wirken.

„Wenn sich Erwachsene von ihren Stofftieren nicht lösen können, weil diese eine besonders wichtige emotionale Bedeutung haben, ist dies ein Hinweis auf Defizite in der Emotionsverarbeitung sowie auf einen unsicheren Bindungsstil“, sagt Koautor Prof. Carlos Schönfeldt-Lecuona.

„Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BAS) ist eine psychiatrische Erkrankung, die unter anderem durch emotionale Instabilität und Impulsivität gekennzeichnet ist sowie durch Bindungsängste und häufig auch durch Depressivität“, erläutert der Psychiater.

Das Forscherteam untersuchte nun, welche emotionale Rolle solche Bezugskuscheltiere insbesondere für Menschen mit BAS spielen.

Hirnaktivität in emotionalen Arealen

Mit Hilfe des Elektronenzephalogramms (EEG) analysierten sie, wie sich die Wahrnehmung von Bezugsplüschtieren bei 16 Menschen mit Borderline-Syndrom auf die Hirnaktivität spezieller emotionaler Hirnbereiche auswirkt.

Dazu wurden den Probanden Fotos ihres Bezugsstofftiers gezeigt sowie „Bilder von emotional neutralen“ Plüschtieren, während die Aktivität im Gehirn erfasst wurde. Anschließend wurde diese mit den Gehirnströmen von gesunden Menschen verglichen.

„Verstärkt aktiviert wurden bei der Wahrnehmung ihrer Bezugskuscheltiere im Vergleich zu Kontrollkuscheltieren frontale Hirnareale, die mit der persönlichen emotionalen Bedeutsamkeit in Verbindung gebracht werden“, sagt Kiefer.

Es stellte sich heraus:

Je depressiver und ängstlicher (in Bezug auf den Verlust von Bezugspersonen) jemand war, desto stärker war diese Wirkung.

„Mit dieser Studie konnten wir eine Brücke schlagen zwischen Beobachtungen aus dem klinischen Alltag und neurobiologischen Prozessen im Gehirn“, sagen die Psychologen.

„Eine enge emotionale Bindung zu Stofftieren kann ein deutlicher diagnostischer Hinweis auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sein“, nehmen sie an.

Die Erkenntnisse könnten möglicherweise auch für Psychotherapie bzw. Behandlung wichtig sein: Wenn die Bindung zum Bezugskuscheltier nachlässt, weist dies auf eine verbesserte Emotions- und Bindungsverarbeitung und auf einen Behandlungserfolg, schließen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Ulm; Scientific Reports – doi:10.1038/s41598-017-13508-8; Nov. 2017

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