Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit und Depression

Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit und Depression

Psychische Störungen: Depressive Störungen

Ein neuer pharmakologischer Weg gleichzeitig Alkoholabhängigkeit und Depressionen zu behandeln?

23.09.2018 Alkoholismus und Depressionen gehen oft Hand in Hand. Studien zufolge ist der Alkoholismus in den 2000er Jahren stark gestiegen; jede achte Person erfüllt die Kriterien eines Alkoholikers (DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2017.2161).

Und Depressionen betreffen viele der 140 Millionen Menschen weltweit, die mit Alkoholproblemen kämpfen. Nur wenige Medikamente sind zur Behandlung der Erkrankung zugelassen. Das Ziel dieser Medikamente ist es, das Craving (Verlangen) nach Alkohol zu reduzieren, aber sie behandeln keine psychiatrischen Störungen.

Forscher der Purdue Universität entwickeln Medikamente, die Störungen des Alkoholkonsums behandeln können, indem sie den Alkoholkonsum reduzieren, und gleichzeitig das Potenzial haben, Depressionen zu behandeln.

Delta-Opioid-Rezeptor

Das Purdue-Team konzentrierte sich auf einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor, den Delta-Opioid-Rezeptor, ein neuartiges Wirkstoffziel, das sich von dem Rezeptor im Körper unterscheidet, der verschreibungspflichtige Opioide bindet.

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Bild: pixabay

Sie entwickeln Medikamente, die an dieses neue Ziel binden und selektiv eine bestimmte Protein-Signalkaskade dieses Rezeptors aktivieren.

Diese einzigartige Eigenschaft des Medikaments kann dann genutzt werden, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen und Nebenwirkungen zu vermeiden, sagt Richard van Rijn, Assistenzprofessor für medizinische Chemie und Molekularpharmakologie, der das Forschungsteam leitete.

Aktuelle Typen von Delta-Opioiden sind in klinischen Studien gescheitert, weil sie im Gegensatz zu unseren mehrere Kaskaden aktivieren, auch solche, die mit erhöhten Nebenwirkungen wie Anfällen verbunden sind.

Das Purdue-Medikament hat sich in präklinischen Tests zur Reduktion des Alkoholkonsums bewährt und hat pharmakologische Eigenschaften, die es ihm ermöglichen sollten, Depressionen zu reduzieren, ohne Anfälle zu verursachen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Purdue Universität

Psychologische Faktoren, die das gleichzeitige Auftreten von Alkoholismus und Depression vorhersagen

03.02.2020 Zwei der häufigsten zusammen auftretenden psychischen Erkrankungen sind klinische Depression und Alkoholismus. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Alkoholabhängigkeit auch eine schwere depressive Störung aufweisen fast viermal so hoch.

Studien haben bereits gezeigt, dass depressive Alkoholiker nach der Behandlung tendenziell schlechtere Ergebnisse und höhere Rückfallraten aufweisen, aber eine neue im International Journal of Mental Health and Addiction veröffentlichte Studie könnte wichtige Prädiktoren für die Kombination dieser psychischen Störungen aufgedeckt haben: Informationen, die sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung hilfreich sein könnten, schreiben die Wissenschaftler.

Distresstoleranz und delay discounting

Julia Felton von der Michigan State Universität und Kollegen untersuchten insbesondere die Toleranz gegenüber Distress (psychologischen Belastungen) bzw. wie gut die Menschen Stresssituationen tolerieren und beim „delay discounting (zeitliche Verstärkerabwertung) sind, was Auskunft über die Impulsivität gibt, die Menschen dazu veranlasst, sofortige Belohnungen gegenüber verzögerten, aber wertvolleren Belohnungen zu wählen.

Die Studie untersuchte, welche Rolle Distresstoleranz und delay discounting bei der Komorbidität von Störungen des Alkoholkonsums und schweren depressiven Störungen spielen.

Für die Studie rekrutierten die Wissenschaftler 79 Personen (die auch Teil einer größeren Studie über Risikobereitschaft und Substanzkonsum waren) in einer stationären Drogenkonsumeinrichtung für Erwachsene mit niedrigem Einkommen in Washington, D.C., innerhalb einer Woche nach Behandlungsbeginn.

Die Mehrheit der Teilnehmer waren männlich, einkommensschwach und schwarz/Afroamerikaner; 77 Prozent berichteten, dass bei ihnen mindestens eine Störung des Substanzkonsums diagnostiziert wurde, und 64 Prozent erfüllten die Kriterien für mindestens eine psychiatrische Störung. Die Forscher führten eine Reihe von Tests und Befragungen durch, um zeitliche Verstärkerabwertung, Distresstoleranz, Alkoholkonsum und Depressionen zu erfassen.

Faktoren für das Auftreten von Alkoholsucht und Depression

Am Ende der Studie stellten die Forscher fest, dass hohe Raten des delay discounting und geringe Stresstoleranz nicht nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Person eine der psychischen Erkrankungen aufweist, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sowohl alkoholkrank als auch depressiv war.

Die meisten Teilnehmer (23 Prozent) gaben an, sowohl an einer Alkoholkonsumstörung als auch an einer schweren depressiven Störung zu leiden. Nur 22 Prozent gaben an, allein unter einer Alkoholabhängigkeit zu leiden, und 15 Prozent berichteten, allein unter einer klinischen Depression zu leiden.

Impulsivität und Stresstoleranz

Unter dem Strich ist festzustellen, dass impulsivere Menschen – also eher zum delay discounting neigen – aber auch weniger stresstolerant waren, mit größerer Wahrscheinlichkeit sowohl unter Alkoholismus als auch unter einer schweren Depression allein litten.

Sie wiesen aber eben auch eher die beiden psychischen Störungen komorbid auf, sagte Felton.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: International Journal of Mental Health and Addiction (2019). DOI: 10.1007/s11469-019-00163-5

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