Stress durch Überbevölkerung könnte menschliche Fortpflanzung hemmen

Stress und sinnlose soziale Interaktionen durch Überbevölkerung kann zu einem Rückgang der menschlichen Fruchtbarkeit führen

25.08.2021 Ein prognostizierter Bevölkerungsrückgang am Ende des Jahrhunderts könnte erklärt werden durch den Stress aufgrund sinnloser bzw. bedeutungsarmer sozialer Interaktionen laut einer in der Zeitschrift Endocrinology der Endocrine Society veröffentlichten Forschungsarbeit.

2064: Höchststand der Bevölkerungszahl

Die Forscher sagen für das Jahr 2064 einen Höchststand der Bevölkerungszahl voraus, gefolgt von einem Rückgang um 50 % bis zum Ende des Jahrhunderts, der auf Veränderungen im menschlichen Fortpflanzungsverhalten und in der Fortpflanzungsfunktion zurückzuführen ist.

In den letzten 50 Jahren ist die Zahl der Spermien um 50 % zurückgegangen. Die Menschen sind gestresst durch häufigere, aber weniger hochwertige soziale Interaktionen, und Stress kann Spermienzahl, Eisprung und sexuelle Aktivität hemmen.

Minderwertige soziale Interaktionen, sozialer Rückzug, Stress

Steigende Bevölkerungszahlen tragen zu weniger sinnvollen sozialen Interaktionen, zu sozialem Rückzug und chronischem Stress bei, was wiederum die Fortpflanzung unterdrückt, so der Autor des Manuskripts, Dr. Alexander Suvorov von der University of Massachusetts Amherst in Amherst, Massachusetts. Zu den Veränderungen im Fortpflanzungsverhalten, die zum Bevölkerungsrückgang beitragen, gehören mehr junge Paare, die sich für Kinderlosigkeit entscheiden, Menschen mit weniger Kindern, und Paare, die länger mit der Familiengründung warten.

Suvorov fand einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungszahlen, Stress und Fortpflanzung, indem er mehrere Studien untersuchte und folgende Fragen stellte:

  • Warum weigern sich die Menschen, Kinder zu bekommen, wo doch der Zugang zu allen lebenswichtigen Ressourcen besser ist, als die Menschheit je hatte?
  • Warum ist die Zahl der Spermien in den letzten 50 Jahren um 50 % zurückgegangen?
  • Warum sind verschiedene Formen des sozialen Rückzugs auf dem Vormarsch?

Er stellte die Hypothese auf, dass der Rückgang der Fortpflanzung auf den Stress zurückzuführen sein könnte, der durch die geringere Qualität der sozialen Interaktionen und die Veränderungen im Fortpflanzungsverhalten entsteht, wie z. B. die Zunahme der „kinderlosen“ Paare und die Verzögerung der Elternschaft.

Mit Überbevölkerung kommt Stress und unterdrückte Reproduktion

Die Kausalkette dieses Kontrollsystems ist zwar noch nicht vollständig geklärt, umfasst jedoch die Unterdrückung aller Ebenen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Kaskade (HPG) durch die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA), die als Reaktion auf den zunehmenden Stress durch soziale Interaktionen aktiviert wird.

Zahlreiche Wildtier- und Laborstudien haben gezeigt, dass auf einen Populationsspitzenwert (Überbevölkerung) immer ein erhöhter Stress und eine unterdrückte Reproduktion folgen, so Suvorov. Diese Übersichtsarbeit liefert Belege aus verschiedenen Forschungsdisziplinen, dass die gleichen Mechanismen, die zuvor bei Wildtieren beobachtet wurden, auch beim Menschen funktionieren können, schließt er.

© psylex.de – Quellenangabe: Endocrinology, 2021; DOI: 10.1210/endocr/bqab154




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