Tourette-Syndrom / chronische Tics: mehr Gewalt u. Kriminalität?

Studie untersuchte Zusammenhang zwischen Tourette-Syndrom und chronischen Tic-Störungen und gewalttätigen Übergriffen sowie strafrechtlichen Verurteilungen

25.03.2022 Menschen mit Tourette-Syndrom oder chronischer Tic-Störung haben ein höheres Risiko, Opfer eines gewalttätigen Übergriffs zu werden, als auch selbst Gewalttaten auszuüben. Dies geht aus einer in JAMA Neurology veröffentlichten Studie hervor.

Dr. David Mataix-Cols vom Karolinska Institutet in Stockholm und Kollegen untersuchten, ob Tourette-Syndrom und Tic-Störung mit einem erhöhten Risiko für gewalttätige Übergriffe und strafrechtliche Verurteilungen verbunden sind. Die Analyse umfasste 13,8 Millionen Personen, die zwischen 1973 und 2013 in Schweden lebten und von denen 7.791 Tourette-Syndrom oder eine Tic-Störung hatten.

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit Tourette-Syndrom oder chronischer Tic-Störung im Vergleich zu nicht betroffenen Personen aus der Allgemeinbevölkerung ein höheres Risiko

  • für gewalttätige Übergriffe (sexuell und nicht-sexuell; bereinigte Hazard Ratio [aHR]: 2,21),
  • ein höheres Risiko für Verurteilungen als Gewalttäter (aHR: 3,13) und
  • ein höheres Risiko für Verurteilungen wegen anderer nicht-gewalttätiger Delikte (aHR: 1,62) hatten.

Mehr als ein Drittel der Personen mit Tourette-Syndrom oder Tic-Störung, die gewalttätige Übergriffe erlebten, wiesen auch eine Verurteilung wegen eines Gewaltverbrechens (37,0 Prozent) auf, verglichen mit 17,9 Prozent der Allgemeinbevölkerung.

Diese Zusammenhänge wurden teilweise abgeschwächt, wenn Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und Substanzkonsumstörungen ausgeschlossen wurden.

„Aus gesellschaftlicher Sicht muss mehr getan werden, um Patientenorganisationen in ihren Bemühungen zu unterstützen, die Öffentlichkeit über Tourette-Syndrom und Tic-Störung aufzuklären und das beträchtliche Stigma und die Missverständnisse, die immer noch mit diesen Störungen verbunden sind, zu verringern“, schreiben die Autoren.

© Psylex.de – Quellenangabe: JAMA Neurol. Published online March 21, 2022. doi:10.1001/jamaneurol.2022.0167




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