Zusammenhang: Persönlichkeit und Chronotyp

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Schlafmustern (Morgen- oder Abendmensch)

23.06.2021 Forscher des Fachbereichs Psychologie der University of Warwick haben eine Verbindung zwischen den verschiedenen Hierarchien der Persönlichkeit, dem Schlafverhalten (Chronotyp) und der Genetik entdeckt.

Chronotypen

Als typisches Beispiel für einen Morgenmenschen gilt jemand, der ganz natürlich um 6 Uhr morgens aufwacht, joggen geht, duscht, frühstückt und um 9 Uhr bereit für einen produktiven Arbeitstag ist. Ein Abendmensch hingegen tut sich morgens schwer mit dem Aufstehen und fühlt sich abends produktiver.

Forscher der University of Warwick haben zusammen mit Kollegen der University of Tartu kürzlich die Arbeit „Personality Traits Relate to Chronotype at Both the Phenotypic and Genetic Level“ im Journal of Personality veröffentlicht, in der sie die Beziehung zwischen dem Schlafzeitpunkt (Chronotyp), der Bevorzugung des Morgens/Abends und Persönlichkeitsmerkmalen auf phänotypischer und genetischer Ebene analysiert haben.

Genetischer Einfluss

Im Ergebnis haben die Forscher herausgefunden, dass der Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Morgen-/Abendpräferenz teilweise auf genetische Faktoren zurückzuführen ist.

Anhand einer groß angelegten Stichprobe von Teilnehmern aus der estnischen Biobank baten die Forscher diese, Fragen zu ihren Schlafzeiten und ihrer Persönlichkeit zu beantworten. Die Persönlichkeit wurde auch von jemandem beurteilt, der den Teilnehmer gut kannte. Nach Beantwortung der Fragebogen waren die Forscher in der Lage, die phänotypischen Beziehungen zwischen Schlaf und Persönlichkeit zu identifizieren.

Sie waren aber auch in der Lage, die genetischen Beziehungen durch zusammenfassende Statistiken von großen genomweiten Assoziationsstudien von Persönlichkeit und Schlafpräferenzen zu berechnen.

Einfluss der Persönlichkeit, Persönlichkeitsmerkmale

Persönlichkeiten können in drei Hierarchien unterteilt werden: Persönlichkeitsbereiche, Facetten und Elemente. Die Forscher analysierten alle drei, aber insbesondere fanden sie auf einer Bereichsebene, dass Menschen mit einem hohen Anteil an Gewissenhaftigkeit und einem niedrigen Anteil an Offenheit eher zu den morgendlichen Chronotypen gehören (d.h. sie gingen früher ins Bett und standen früher auf).

Auf der Ebene der Facetten fanden die Forscher heraus, dass weniger geradlinige (eine Facette von Verträglichkeit) und erregungsorientierte (eine Facette von Extraversion), aber selbstdiszipliniertere (eine Facette von Gewissenhaftigkeit) Menschen eher morgendliche Chronotypen waren. Höhere Gewissenhaftigkeit und geringere Offenheit waren auch genetisch mit der Präferenz für morgendliches Aufstehen verbunden.

Studienautorin Dr. Anita Lenneis vom Fachbereich Psychologie an der Universität Warwick kommentiert:

Unsere Ergebnisse haben uns geholfen, zwei mögliche Wege zu finden, wie die Persönlichkeit den Chronotyp beeinflussen könnte. Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit und insbesondere Selbstdisziplin könnten den Chronotyp beeinflussen, indem sie die Präferenz der Menschen für verschiedene soziale Aktivitäten und Verhaltensweisen prägen, die wiederum Einfluss darauf haben, wann Menschen ins Bett gehen und aufstehen.

Es könnte aber auch sein, dass der Chronotyp die Persönlichkeit beeinflusst oder dass Chronotyp und Persönlichkeit sich gegenseitig beeinflussen. Die Ergebnisse der genetischen Zusammenhänge unterstützen diese Sichtweise, aber weitere Studien werden notwendig sein, um die gemeinsamen genetischen Mechanismen zwischen den beiden Konstrukten sowie die Kausalität ihrer Beziehungen besser zu verstehen.

© psylex.de – Quellenangabe: Journal of Personalityhttps://doi.org/10.1111/jopy.12645




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