Unterstützen Sie bitte PSYLEX durch eine Spende (und lesen Sie werbefrei).

Kindheitstraumata und das Gehirn

Studie untersuchte funktionelle Beeinträchtigungen des Gehirns im Zusammenhang mit einem Trauma in der Kindheit

Kindheitstraumata und das Gehirn

05.02.2024 Die weltweit größte Hirnstudie über Kindheitstraumata hat zeigen können, wie diese die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und lebenswichtige Nervenbahnen umgestalten. Die Studie der University of Essex unter der Leitung von Dr. Megan Klabunde vom Fachbereich Psychologie hat eine Störung der neuronalen Netze aufgedeckt, die an der Selbstorientierung und Problemlösung beteiligt sind.

Dies bedeutet, dass Jugendliche unter 18 Jahren mit Missbrauchserfahrungen wahrscheinlich Probleme mit Emotionen, Empathie und dem Körperbild haben. Auch in der Schule kann es zu Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, schwierigen Denkaufgaben und der Entscheidungsfindung kommen.

Für die in der Zeitschrift Biological Psychiatry Cognitive Neuroscience and Neuroimaging veröffentlichte Studie hat Klabunde 14 Studien mit mehr als 580 Kindern untersucht.

In der Studie wurden funktionelle Magnetresonanztomographie-Scans (fMRI) ausgewertet. Dieses Verfahren zeigt den Blutfluss in verschiedenen Zentren und damit die neurologische Aktivität an.

Veränderungen im Gehirn

Die Studie entdeckte einen deutlichen Unterschied im Standardmodus (DMN) und im zentralen exekutiven Netzwerk (CEN) traumatisierter Kinder – zwei groß angelegte Gehirnsysteme.

Das DMN und die posteriore Insula sind daran beteiligt, wie Menschen ihren Körper, ihr Selbstgefühl und ihre inneren Überlegungen wahrnehmen.

Neue Studien zeigen, dass das DMN bei den meisten psychischen Problemen eine wichtige Rolle spielt – und möglicherweise durch ein Kindheitstrauma beeinflusst wird.

Auch das CEN ist aktiver als bei gesunden Kindern, was bedeutet, dass Kinder mit einer traumatischen Vorgeschichte dazu neigen, zu grübeln und schreckliche Erlebnisse wieder zu erleben, wenn sie einen Trigger erhalten.

Klabunde hofft, dass diese Studie ein Sprungbrett sein wird, um mehr darüber herauszufinden, wie sich Traumata auf die sich entwickelnde Psyche auswirken. Sie sagt: “Unsere Erkenntnisse über das Gehirn deuten darauf hin, dass bei der Behandlung von Kindheitstraumata ein wichtiges Puzzlestück zu fehlen scheint”.

“Neben der Prävention des Vermeidens beängstigender Situationen und der Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken sollten Traumatherapien bei Kindern auch darauf eingehen, wie sich das Trauma auf den Körper, das Selbstgefühl, die emotionale/empathische Verarbeitung und die Beziehungen des Kindes auswirkt.”

“Dies ist wichtig, da unbehandelte Symptome wahrscheinlich zu anderen gesundheitlichen und psychischen Problemen während des gesamten Lebens beitragen.”

© Psylex.de – Quellenangabe: Biological Psychiatry Cognitive Neuroscience and Neuroimaging – 10.1016/j.bpsc.2024.01.009 

Weitere Infos, News dazu