Klimaangst bei Kindern und Jugendlichen – Studie

Untätigkeit der Regierungen in Bezug auf Klimawandel führt zu psychischen Problemen bei jungen Menschen

26.12.2021 Fast die Hälfte der weltweit befragten Jugendlichen (45 %) gibt an, dass Klimaangst und -probleme ihr tägliches Leben und ihr Funktionieren beeinträchtigen – so die Ergebnisse der größten wissenschaftlichen Studie über Klimaangst bei Kindern und Jugendlichen, die kürzlich durchgeführt wurde.

Die auf Umfragen unter 10.000 Kindern und Jugendlichen (16-25 Jahre) in 10 Ländern basierte Studie ergab, dass 75 % der jungen Befragten glauben, die Zukunft sei beängstigend – in Portugal glauben dies sogar 81 % und auf den Philippinen 92 % der befragten Jugendlichen.

Distress und Klimaangst

Zum ersten Mal wurde festgestellt, dass Klimadistress und Klimaangst signifikant mit der wahrgenommenen Untätigkeit der Regierung und dem damit verbundenen Gefühl des Betrogen- bzw. Verratenwerdens zusammenhängen. 58 % der befragten Kinder und Jugendlichen gaben an, dass die Regierungen „mich und/oder künftige Generationen im Stich lassen“, und 64 % sagten, dass ihre Regierungen nicht genug tun, um eine Klimakatastrophe zu verhindern.

Die Studie stellt fest, dass Kinder und Jugendliche weltweit in großer psychischer Sorge sind, und warnt davor, dass ein solch hohes Maß an Distress (psychischer Belastung), funktionalen Auswirkungen und Gefühlen des Verrats die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen wird. Experten warnen, dass die fortgesetzte Untätigkeit der Regierungen in Bezug auf den Klimawandel psychologisch schädlich ist und möglicherweise eine Verletzung der internationalen Menschenrechte darstellt.

Untätigkeit der Regierungen

Caroline Hickman von der University of Bath, Klimapsychologie-Bündnis und Mitautorin der Studie, sagt: Diese Studie zeichnet ein erschreckendes Bild der weit verbreiteten Klimaangst bei unseren Kindern und Jugendlichen. Sie deutet zum ersten Mal darauf hin, dass ein hohes Maß an psychischer Belastung bei Jugendlichen mit der Untätigkeit der Regierungen zusammenhängt.

Die Angst unserer Kinder ist eine völlig rationale Reaktion angesichts der unzureichenden Reaktionen der Regierungen auf den Klimawandel, die sie erleben. Kinder und Jugendliche mobilisieren sich jetzt weltweit und verklagen Regierungen, weil sie der Meinung sind, dass das Nichthandeln gegen den Klimawandel ihre Menschenrechte verletzt. Diese Studie leistet einen wichtigen Beitrag zu diesen juristischen Argumenten, indem sie Klimaangst und -distress als ‚moralische Verletzung‘ darstellt.

Die Co-Leiterin der Studie, Dr. Liz Marks vom Fachbereich Psychologie der University of Bath, fügte hinzu: Diese Studie zeigt uns, wie viele junge Menschen auf der ganzen Welt sich von denjenigen verraten fühlen, die sie eigentlich schützen sollten. Trotzdem haben es die Regierungen auf der COP26 versäumt, die notwendigen mutigen und entschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu ergreifen. Die Entscheidungen, die die Regierenden jetzt treffen, werden die größten Auswirkungen auf die jüngsten und künftigen Generationen haben, aber sie fühlen sich abgewiesen und ignoriert.

Wir müssen an die Zukunft der jungen Menschen denken, auf ihre Stimmen hören und sie in den Mittelpunkt der Entscheidungsfindung stellen. Indem wir alle Generationen zusammenbringen, können wir von den Regierungen die dringenden Maßnahmen gegen den Klimawandel einfordern, die wir so dringend brauchen.

Angst, Hilflosigkeit, Ohnmachtsgefühle,

Mitzi Tan, 23 Jahre alt, von den Philippinen: Ich bin mit der Angst aufgewachsen, in meinem eigenen Schlafzimmer zu ertrinken. Die Gesellschaft sagt mir, dass diese Angst eine irrationale Angst ist, die überwunden werden muss – eine Angst, die durch Meditation und gesunde Bewältigungsmechanismen behoben‘ werden kann. Im Grunde genommen rührt unsere Klimaangst von diesem tief sitzenden Gefühl des Verrats durch die Untätigkeit der Regierung her. Um unsere wachsende Klimaangst wirklich zu bekämpfen, brauchen wir Gerechtigkeit.

Beth Irving, eine 19-jährige Klimaaktivistin, die hinter den Klimastreiks der Studenten in Cardiff steht, sagt: Als ich 16 war, hatte ich Phasen, in denen ich mich angesichts dieses immensen Problems völlig hilflos fühlte, und dann stürzte ich mich in die Organisation von Protesten oder in die Veränderung von Dingen in meiner Schule. So viel Energie in eine Sache zu stecken und dann so wenig Wirkung im wirklichen Leben zu sehen, war aufreibend; es gab viele Gelegenheiten, bei denen ich mich versteckte und dachte: „Das reicht alles nicht. Es ist so schlimm, dieses Problem auf die Schultern der jungen Menschen zu schieben – die Hoffnung muss stattdessen von spürbaren strukturellen Maßnahmen ausgehen.“

Weitere Ergebnisse der Studie sind:

  • 59 % der befragten Kinder und Jugendlichen waren sehr oder äußerst besorgt über den Klimawandel; Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sich ängstlich, traurig, besorgt, wütend, machtlos, hilflos und/oder schuldig fühlten;
  • 55 % der Befragten glaubten, dass sie weniger Chancen haben würden als ihre Eltern;
  • 65 % waren der Meinung, dass die Regierungen junge Menschen im Stich lassen, und 61 % sagten, dass die Art und Weise, wie die Regierungen mit dem Klimawandel umgehen, „mich, den Planeten und/oder künftige Generationen nicht schützt“;
  • Fast die Hälfte (48 %) der Befragten, die angaben, mit anderen über den Klimawandel zu sprechen, fühlten sich ignoriert oder abgewiesen.
  • Die befragten jungen Menschen aus dem globalen Süden äußerten mehr Sorgen und eine größere Auswirkung auf ihre Leistungsfähigkeit; während die befragten jungen Menschen in Portugal (wo es seit 2017 zu einem dramatischen Anstieg der Waldbrände gekommen ist) den höchsten Grad an Sorge unter den Befragten aus dem globalen Norden aufwiesen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Regierungen reagieren müssen, um „die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen, indem sie sich für ethische, kollektive, politikbasierte Maßnahmen gegen den Klimawandel einsetzen.

Die Studie wurde in The Lancet Planetary Health veröffentlicht.

© Psylex.de – Quellenangabe: The Lancet Planetary Health (2021). DOI: 10.1016/S2542-5196(21)00278-3

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