Psychiatrische Symptome bei der Alzheimer-Krankheit

Entwicklung von Apathie, Angst und Depression bei kognitiv nicht eingeschränkten älteren Erwachsenen: Auswirkungen der Pathologie der Alzheimer-Krankheit und des kognitiven Abbaus

19.04.2022 Neben Gedächtnisproblemen und anderen kognitiven Symptomen leiden die meisten Menschen mit Alzheimer-Krankheit auch unter psychischen Problemen. Lange Zeit war unklar, ob diese auf Gewebeveränderungen im Gehirn zurückzuführen sind oder ob es sich um psychologische Reaktionen auf kognitive Symptome handelt. Eine in der Zeitschrift Biological Psychiatry veröffentlichte Studie der Universität Lund in Schweden hat neue Erkenntnisse gebracht.

Kognitive Symptome in Verbindung mit erhöhten Spiegeln bestimmter Proteine bilden die Grundlage für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit. Gleichzeitig haben Forscher und Ärzte in den letzten zehn Jahren erkannt, dass Veränderungen der Stimmung und des Verhaltens oft sehr frühe Anzeichen der Krankheit sind. Dennoch wurde diesen Symptomen bisher nicht so viel wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt wie den kognitiven Symptomen.

Nun haben Forscher der Universität Lund die komplexen Beziehungen zwischen psychologischen Symptomen, Alzheimer-Proteinen und kognitiven Symptomen untersucht. Dies geschah im Rahmen der BioFINDER-Studie unter der Leitung von Professor Oskar Hansson.

Angstzustände und Apathie

In der Studie wurden 356 Personen über 65 Jahre untersucht, die zu Beginn der Untersuchung keine kognitiven Symptome aufwiesen. Neben der Analyse der Konzentrationen der Alzheimer-Proteine Amyloid-beta und phosphoryliertes Tau in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit wurden auch die Angstzustände, die Apathie und die allgemeine kognitive Funktion der Teilnehmer in halbjährlichen Abständen untersucht. Die Teilnehmer wurden insgesamt acht Jahre lang beobachtet.

Bei der Analyse der Daten fanden die Forscher einen klaren Zusammenhang zwischen erhöhten Amyloid-Beta-Werten zu Beginn der Studie und der späteren Entwicklung von Angstzuständen und Apathie.

Maurits Johansson, Arzt und Hauptautor der Studie, erklärt: „Die Alzheimer-Krankheit betrifft große Teile des Gehirns, darunter auch die Regionen, die unser Gefühlsleben steuern. Unsere Studie zeigt, dass psychiatrische Symptome ebenso wie kognitive Symptome hauptsächlich als direkte Folge der zugrundeliegenden Veränderungen im Gehirn auftreten, die auf erhöhte Amyloid-Beta-Werte zurückzuführen sind.“

Die Forscher wiesen ferner nach, dass Amyloid-Beta die Entwicklung von Apathie vorwiegend durch direkte Auswirkungen fördert und dass sich Apathie nur in begrenztem Umfang sekundär zum kognitiven Verfall entwickelt. Angst wurde nicht mit kognitiven Veränderungen in Verbindung gebracht.

Apathie und Angst durch die pathologische Anhäufung von Amyloid-Beta

Die Ergebnisse sprechen somit gegen die Vorstellung, dass diese frühen Veränderungen von Emotionen und Motivation bei der Alzheimer-Krankheit in erster Linie psychologische Reaktionen auf den kognitiven Abbau sind. Stattdessen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass zumindest Apathie und Angst durch die pathologische Anhäufung von Amyloid-Beta verursacht werden, erläutert Professor Oskar Hansson.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass psychiatrische Symptome bei der Alzheimer-Krankheit als alternative Messgrößen in Behandlungsstudien verwendet werden könnten. Letztendlich könnte dies zu einem effektiveren Studiendesign führen“, fährt er fort.

Eine frühere BioFINDER-Studie deutete darauf hin, dass das Vorhandensein von Angst oder Apathie bei älteren Menschen, die weiterhin keine Anzeichen von Demenz zeigten, auf ein erhöhtes Risiko künftiger kognitiver Beeinträchtigungen hinweisen könnte.

© Psylex.de – Quellenangabe: Biological Psychiatry, 2022; DOI: 10.1016/j.biopsych.2022.01.012

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