Spielsucht: Naturgeräusche können helfen

Entspannungseffekt von Naturgeräuschen bei pathologischen Spielern

Spielsucht: Naturgeräusche können helfen

28.04.2023 Spielsucht, auch „pathologisches Glücksspiel“ und „Glücksspielstörung“ genannt, hat bekanntermaßen schwerwiegende wirtschaftliche, soziale, psychische und körperliche Folgen für die Betroffenen. Einer der wichtigsten Faktoren, die zur Entwicklung und zum Rückfall dieser Störung beitragen, ist Stress. Studien zeigen jedoch, dass der Ersatz des Glücksspiels durch alternative Freizeitaktivitäten die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung dieser Störung verringern kann.

Waldbaden oder „Shinrin-yoku“

In den letzten Jahren hat sich das Waldbaden oder „Shinrin-yoku“, eine Form der Naturtherapie, als wirksame und bequeme Methode zum Stressabbau erwiesen. Darüber hinaus haben zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt, dass der Aufenthalt in der Natur das Stressniveau senken und den Körper entspannen kann.

Im Zuge von Vorschlägen zur Einführung kommerzieller Casinos in Japan hat ein Forscherteam unter der Leitung von Yoshifumi Miyazaki von der Universität Chiba, Japan, versucht, das Potenzial der Naturtherapie, insbesondere von Insektengeräuschen, zur Verringerung von Stressreaktionen bei Personen mit Glücksspielstörung zu untersuchen.

Das Team wollte die physiologischen und psychologischen Auswirkungen von Natur- und Stadtgeräuschen auf Patienten mit Glücksspielstörung vergleichen.

Natur- vs. Stadtgeräusche

An der Studie nahmen 22 japanische Männer im Alter zwischen 25 und 60 Jahren teil, bei denen auf der South Oaks Gambling Screen-Skala ein Gesamtwert von 5 oder höher für pathologisches Spielen diagnostiziert worden war. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt und entweder digitalen Naturgeräuschen von Insekten oder Verkehrsgeräuschen an einer städtischen Kreuzung ausgesetzt, die in gegensätzlicher Weise präsentiert wurden.

Als Teil der Untersuchung der physiologischen Wirkungen der Exposition wurde die autonome Nervenaktivität der Teilnehmer mit Hilfe von Sensoren für die Herzfrequenz-Variabilität gemessen und ein Nahinfrarot-Spektroskopiesystem wurde verwendet, um Veränderungen der Oxyhämoglobin-Konzentrationen (Oxy-Hb) in ihrem bilateralen präfrontalen Kortex zu bestimmen. Die subjektive Bewertung der Teilnehmer erfolgte anhand der modifizierten Version des Fragebogens zur semantischen Differenzialmethode und der Profile of Mood States, second edition (POMS2); dies war Teil der Bewertung der psychologischen Auswirkungen.

Die Ergebnisse der Studie deuten stark darauf hin, dass die Exposition gegenüber naturbasierten Reizen bei Personen mit Spielsucht eine physiologische Entspannung und andere positive Reaktionen hervorruft. Die Oxy-Hb-Konzentration im bilateralen präfrontalen Kortex der Teilnehmer nahm beim Hören von Naturgeräuschen signifikant ab. Einfach ausgedrückt: Sie fühlten sich dadurch entspannter und positiver. Dies wurde durch die niedrigen Werte der POMS2-Subskala für negative Emotionen bestätigt und durch eine Verbesserung der allgemeinen Stimmung der Teilnehmer, ein Gefühl des Wohlbefindens und der Entspannung untermauert.

Naturtherapie

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Bedeutung von Naturgeräuschen bei der Bewältigung negativer emotionaler Zustände bei pathologischen Spielern.

„Die Naturtherapie kann für den Stressabbau bei verschiedenen Patientengruppen und in der Allgemeinbevölkerung nützlich sein, insbesondere da unsere Gesellschaft immer technisierter wird und das Stressniveau steigt. Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass verschiedene aus der Natur stammende Reize, darunter auch der in dieser Studie verwendete Hörreiz, zur Stressreduzierung bei Menschen beitragen können“, schließt Miyazaki.

Obwohl weitere Forschungen erforderlich sind, um die langfristigen Auswirkungen auf Menschen mit Spielsucht zu erforschen, könnten aus der Natur gewonnene Klänge eine praktikable stressreduzierende Naturtherapie für Menschen mit schweren Abhängigkeiten sowie für gesunde Menschen sein.

© Psylex.de – Quellenangabe: Journal of Integrative and Complementary Medicine (2023). DOI: 10.1089/jicm.2022.0611

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