Stress beschleunigt Ticken der Lebensuhr, Entspannung verlangsamt es

Psychologische und biologische Resilienz beeinflussen die Auswirkungen von Stress auf die epigenetische Alterung

07.12.2021 In den letzten Jahren haben Wissenschaftler Methoden zur Messung des biologischen Alters entwickelt, indem sie chemische Veränderungen in der DNA erfassen, die mit zunehmendem Alter natürlicherweise auftreten, aber bei jedem Menschen zu einem anderen Zeitpunkt erfolgen.

Epigenetische Uhr

Diese sogenannten „epigenetischen Uhren“ haben sich als bessere Prädiktoren für die Lebensspanne und die Gesundheit erwiesen als das chronologische Alter.

In einer neuen Studie haben Yale-Forscher eine solche Uhr mit dem treffenden Namen „GrimAge“ verwendet, um zwei Fragen zu stellen: Wie stark beschleunigt chronischer Stress diese biologische Uhr? Und gibt es Möglichkeiten, sie zu verlangsamen und damit eine gesunde Lebensspanne zu verlängern?

Ihre in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Stress die Lebensuhr tatsächlich schneller ticken lässt, dass der Einzelne aber die Auswirkungen in den Griff bekommen kann, indem er seine Emotionsregulation und Selbstkontrolle stärkt.

Folgen von chronischem Stress

Anhaltender Stress zum Beispiel erhöht das Risiko für Herzkrankheiten, Sucht, Stimmungsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen, sagte Sinha, der auch Direktor des Yale Interdisciplinary Stress Center ist. Er kann den Stoffwechsel beeinflussen und dadurch fettleibigkeitsbedingte Erkrankungen wie Diabetes beschleunigen. Stress beeinträchtigt auch unsere Fähigkeit, Gefühle zu regulieren und klar zu denken.

Ein Yale-Team unter der Leitung von Rajita Sinha und Zachary Harvanek untersuchte, ob Stress auch das Altern in einer relativ jungen und gesunden Bevölkerung beschleunigt.

Beschleunigte Alterungsmarker unter chronischem Stress

Für ihre Studie nahmen sie von 444 Personen im Alter von 19 bis 50 Jahren Blutproben, um die von GrimAge erfassten altersbedingten chemischen Veränderungen sowie andere Gesundheitsmarker zu untersuchen. Die Teilnehmer beantworteten auch Fragen, die das Stressniveau und die psychologische Belastbarkeit aufzeigen sollten.

Selbst nach Berücksichtigung demografischer und verhaltensbezogener Faktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Rasse und Einkommen stellten die Forscher fest, dass die bei Messungen im Zusammenhang mit chronischem Stress hohe Werte erzielenden Teilnehmer beschleunigte Alterungsmarker und physiologische Veränderungen wie eine erhöhte Insulinresistenz aufwiesen.

Emotionsregulation und Selbstkontrolle wirken entgegen

Allerdings wirkte sich Stress nicht bei allen Menschen in gleichem Maße auf die Gesundheit aus. Probanden, die bei zwei psychologischen Resilienzmessungen – Emotionsregulation und Selbstkontrolle – hohe Werte erzielten, waren widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen von Stress auf das Altern bzw. die Insulinresistenz.

Diese Ergebnisse unterstützen die weit verbreitete Vorstellung, dass Stress uns schneller altern lässt, so Harvanek, aber sie deuten auch auf einen vielversprechenden Weg hin, um diese negativen Folgen von Stress durch die Stärkung der Emotionsregulation und der Selbstkontrolle möglicherweise zu minimieren.

Mit anderen Worten: Je psychisch belastbarer jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er/sie länger und gesünder lebt, schreiben die Forscher.

Wir alle haben gerne das Gefühl, dass wir Einfluss auf unser Schicksal haben, sagt Sinha. Es ist also eine tolle Sache, die Menschen darin zu bestärken, dass wir in unsere psychologische Gesundheit investieren sollten, schließen sie.

© Psylex.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry (2021). DOI: 10.1038/s41398-021-01735-7




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