Gesichtern gewidmete Aufmerksamkeit weist auf Persönlichkeit / Psychopathologie

Studie: Aufmerksamkeit gegenüber Gesichtern in Bildern steht in Zusammenhang mit Persönlichkeitsmerkmalen und Psychopathologie

Gesichtern gewidmete Aufmerksamkeit weist auf Persönlichkeit / Psychopathologie

16.02.2023 Die Persönlichkeit und die Psychopathologie einer Person können damit in Verbindung stehen, wie stark sie es vorziehen, sich auf menschliche Gesichter in Bildern zu fokussieren laut einer im Open-Access-Journal PLOS ONE veröffentlichte Studie von Marius Rubo von der Universität Bern und Kollegen.

Menschen neigen dazu, sich beim Betrachten von Bildern zu anderen menschlichen Gesichtern hingezogen zu fühlen – selbst bei visuell stark überladenen Bildern. Frühere Forschungen deuten darauf hin, dass Persönlichkeitsfaktoren oder bestimmte Diagnosen eine Rolle dabei spielen könnten, wie stark bestimmte Personen diese Vorliebe für menschliche Gesichter ausprägen. In dieser Studie untersuchten die Autoren, wie sich verschiedene einflussreiche psychologische Merkmale auf die Präferenz einer Person für die Fokussierung auf Gesichter auswirken könnten.

120 Teilnehmer (hauptsächlich Studenten) sahen sich 20 Fotos an, auf denen Menschen in belebten Umgebungen abgebildet waren, während ihre Aufmerksamkeit ermittelt wurde. Dazu verwendeten die Autoren ein cursorbasiertes Tool: Die Fotos waren unscharf und wurden nur innerhalb eines 20-Pixel-Radius um den Cursor deutlich, den die Teilnehmer auf dem Foto bewegen konnten.

Anschließend beantworteten die Teilnehmer einen Fragebogen zur Bewertung der „Big Five“-Persönlichkeitseigenschaften Extraversion, Verträglichkeit, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus. In den Fragebogen wurde auch nach verschiedenen Facetten der Psychopathologie gefragt, darunter soziale Ängste, Depressionen, Empathie, Alexithymie (Unfähigkeit, die eigenen Gefühle zu beschreiben) und bestimmte soziale Werte.

Persönlichkeitsmerkmale und Psychopathologie

Was die Persönlichkeitsmerkmale anbelangt, so standen Extraversion, Verträglichkeit und Offenheit für Erfahrungen in einem positiven Zusammenhang mit einer verstärkten Fokussierung auf Gesichter. Personen, die ein höheres Maß an Empathie angaben, fokussierten sich ebenfalls eher auf Gesichter. Teilnehmer, die bei bestimmten anderen psychopathologischen Merkmalen, wie z. B. sozialer Angst, Depression und Alexithymie, hohe Werte aufwiesen, tendierten hingegen zu einer geringeren Beachtung von Gesichtern. Im Allgemeinen verbrachten die Teilnehmer etwa 17 % ihrer Zeit beim Betrachten der Bilder mit der Betrachtung der Gesichter der Bilder.

Die Autoren stellen fest, dass die Positionierung des Cursors ein unvollkommener Ersatz für die Blickverfolgung ist, da sie langsamer ist als das direkte Anschauen. Sie weisen auch darauf hin, dass sich die Aufmerksamkeit auf Bilder von Gesichtern teilweise von der Aufmerksamkeit in realen Situationen unterscheidet. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Präferenzen für Gesichter sowohl mit der Persönlichkeit als auch mit dem Grad der Psychopathologie zusammenhängen könnten.

Die Autoren fügen hinzu: „Bilder von menschlichen Gesichtern ziehen die Aufmerksamkeit der meisten Menschen auf sich, aber das Phänomen ist bei Menschen mit einem höheren Grad an sozialer Angst, Depression und anderen Formen von Psychopathologie schwächer ausgeprägt.“

© Psylex.de – Quellenangabe: PLoS ONE DOI: 10.1371/journal.pone.0280427

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