Heilung und Wohlbefinden nach psychischen Erkrankungen und Drogensucht

Optimales Wohlbefinden nach Psychopathologie: Prävalenz und Zusammenhänge

06.04.2022 In der Vergangenheit konzentrierte sich die Forschung zu psychischen Erkrankungen vor allem auf chronische und wiederkehrende Stimmungs-, Angst- und Drogensucht, die die Menschen daran hindern, sich zu entfalten und das Leben zu genießen.

Neue in der Fachzeitschrift Clinical Psychological Science veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Lage sind, sich zu erholen und ein gut funktionierendes Leben zu führen.

„Unsere Forschung zeigt, wie viele Menschen von einer psychischen Erkrankung genesen und ein Leben mit einem hohen Maß an Wohlbefinden und Funktionsfähigkeit führen können“, so Andrew Devendorf, Forscher an der University of South Florida und Hauptautor des Fachartikels. „Im Gegensatz zu den traditionellen klinischen Erkenntnissen haben wir festgestellt, dass psychische Erkrankungen und Drogensucht die Möglichkeit eines erfolgreichen Lebens zwar einschränken, aber nicht verhindern.

Chancen auf ein erfolgreiches Leben

Die Forscher fanden auch heraus, dass längere Episoden psychischer Erkrankungen oder das Auftreten mehrerer psychischer Erkrankungen im Laufe des Lebens die Chancen auf ein erfolgreiches Leben verringern, aber nicht ausschließen.

Die Daten für diese Untersuchung stammen aus dem Canadian Community Health Survey-Mental Health 2012, einer landesweit repräsentativen Erhebung, an der mehr als 25.000 kanadische Teilnehmer im Alter von 15 bis 80 Jahren und älter teilnahmen. Im Rahmen der Erhebung wurden Informationen über den psychischen Gesundheitszustand der Teilnehmer über die gesamte Lebenszeit und die letzten 12 Monate, den Zugang zu und den wahrgenommenen Bedarf an formellen und informellen Diensten und Hilfen, ihre Funktionsfähigkeit und Beeinträchtigungen sowie andere Faktoren erhoben, die die psychische Gesundheit beeinflussen.

Devendorf und seine Kollegen verglichen die in der Umfrage erfassten psychischen Erkrankungen mit anderen Daten, die mit der Lebensqualität der Teilnehmer in Zusammenhang stehen, darunter soziale Beziehungen, positive Emotionen, wahrgenommene Lebensqualität und Funktionsfähigkeit (Fähigkeit, Lebensaufgaben zu erfüllen). Die Forscher berechneten dann, wie viele Personen mit einer lebenslangen Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen – einschließlich Depressionen, Angstzuständen, bipolaren Störungen oder Substanzmissbrauch – zum Zeitpunkt der Studie die Kriterien für ein „gutes Leben“ erfüllten.

Wohlauf und zufrieden

Um nach einer Depression als wohlauf und zufrieden zu gelten, musste eine Person nicht nur frei von den Hauptsymptomen einer Depression sein, sondern auch ein besseres Wohlbefinden aufweisen als 75 % der nicht-depressiven Erwachsenen, die in den Vereinigten Staaten befragt wurden. „Wir haben die Messlatte für das Wohlbefinden sehr hoch gelegt“, so Devendorf.

Die Ergebnisse des Vergleichs zeigten, dass etwa 10 % der Kanadier mit einer Vorgeschichte psychischer Erkrankungen die Kriterien für ein positives Lebensgefühl erfüllten, verglichen mit etwa 24 % der Kanadier, die keine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen hatten. Menschen mit einer Vorgeschichte von Drogenmissbrauch (10 %), Depressionen (7 %) und Angststörungen (6 %) erfüllten die Erfolgskriterien mit größerer Wahrscheinlichkeit als Menschen mit bipolaren Störungen (3 %) in der Vorgeschichte.

Genesung / Heilung

„Diese Ergebnisse zeigen, dass psychische Erkrankungen die Möglichkeit zur Erreichung der Kriterien für ein erfolgreiches Leben einschränken, aber nicht ausschließen“, so Devendorf. „Auch wenn ein erfolgreiches Leben nach einer psychischen Erkrankung nicht unbedingt häufig vorkommt, so ist doch festzustellen, dass eine diagnostizierte Genesung bzw. Heilung nach einer psychischen Erkrankung viel häufiger vorkommt.“

Die Studie ergab, dass etwa zwei Drittel (67 %) der Menschen, die im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Erkrankung litten, eine symptomatische Genesung erfuhren, d. h. sie erfüllten nicht mehr die diagnostischen Kriterien für eine bestimmte Krankheit. Die Rate, mit der sich Menschen von einer psychischen Erkrankung erholen und ein mäßiges bis gutes, nicht aber ein optimales Wohlbefinden erreichen, ist wahrscheinlich viel höher, vermuten die Forscher.

© Psylex.de – Quellenangabe: Clinical Psychological Science (2022). DOI: 10.1177/21677026221078872

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