Partnergewalt (Psychologie)

Partnergewalt (Psychologie)

Beziehungsprobleme

Gewalt zwischen Beziehungspartnern hört nicht mit dem Beziehungsende auf

14.07.2018 Gewalt zwischen Intimpartnern endet nicht mit dem Ende der Beziehung, dennoch gibt es nur wenige Ressourcen, um den Betroffenen zu helfen, über den Vertrauensbruch hinwegzukommen, um eine neue, gesunde Beziehung zu beginnen.

Die Auswirkungen von Partnergewalt in der Beziehung (häusliche Gewalt zwischen den Beziehungspartnern) sind tiefgreifend, schmerzhaft anhaltend und ihnen sollte ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden wie der Hilfe, die die Opfer benötigen, um gewalttätige Beziehungen zu verlassen laut einer neuen im Fachblatt Journal of Interpersonal Violence publizierten psychologischen Studie.

Definition

Partnergewalt ist eine Unterform der häuslichen Gewalt. Während häusliche Gewalt auch Gewalttätigkeit zwischen allen Individuen umfassen kann, die in einem einzigen Haushalt leben, ist Partnergewalt auf der Ebene einer intimen Beziehung vorzufinden.

Es ist ein Partner, der versucht, Macht und Kontrolle über einen anderen Partner zu erlangen. Partnergewalt kann viele Formen von gewalttätigem Verhalten beinhalten, einschließlich körperlichem, verbalem, emotionalem und finanziellem.

Betrayal Trauma

Gewalt zwischen Beziehungspartnern
Bild: Gerd Altmann

Die Studie untersuchte Partnergewalt aus der Perspektive der „betrayal trauma“ (Missbrauch oder Verrat) Theorie, einem Konzept, das sich mit dem Missbrauch (oder Verrat) vertrauenswürdiger Personen oder Institutionen an denen beschäftigt, die sie eigentlich schützen und unterstützen sollen.

Die aktuelle psychologische Forschungsarbeit fragt, wie die langfristigen Auswirkungen von Partnergewalt und die Folgen einer solchen Beziehung angegangen werden sollten.

Wir benutzen die Betrayal-Trauma-Theorie, um Kinder zu beschreiben, die Kindesmissbrauch erlebt haben, sagt Studienautorin Noelle St. Vil. Aber der gleiche Missbrauch bzw. Verrat geschieht bei Partnergewalt: Ein Partner, dem man vertraut, dem man sich offenbart und verwundbar zeigt, der einen aufbauen sollte, fügt einem tatsächlich Schlechtes zu. Es ist ein Verrat an dem, was eine vertrauensvolle Beziehung sein sollte, sagt die Psychologin.

Nach dem Beziehungsende

Mit der größten Hilfe und Unterstützung, die darauf fokussiert war, Frauen in einer Beziehung Sicherheit oder ihnen die Mittel an die Hand zu geben, um aus einer missbräuchlichen Beziehung herauszukommen, begann St. Vil über die Auswirkungen des Traumas nachzudenken.

„Wie erging es Ihnen nach dem Weggang?“, fragte sie. „Wie sieht Ihr Leben aus?“

Ihre Interviews mit neun von Partnergewalt betroffenen Frauen stellen die ersten Schritte zur Beantwortung dieser Fragen dar und offenbarten vier Hindernisse für den Aufbau neuer Beziehungen.

Hindernisse für den Aufbau einer neuen Beziehung

  • Verletzlichkeit/Angst: Frauen, die aus einer Beziehung mit Partnergewalt herauskommen, bauen oft eine emotionale Mauer auf und zögern, neue Beziehungen einzugehen. Einige Opfer sagten, sie seien physische Beziehungen eingegangen, aber sie vermieden es, sich emotional zu binden.
  • Beziehungserwartungen: Einige Frauen in der Studie öffneten sich emotional, erwarteten aber auch, dass eine scheinbar gesunde Beziehung allmählich in Gewalt endet.
  • Scham/geringes Selbstwertgefühl: Die Teilnehmerinnen der Studie erzählten, wie ihr geringes Selbstwertgefühl neue Beziehungen sabotiert hat. Teil des Erlangens von Macht und Kontrolle in gewalttätigen Beziehungen ist der Verlust des Selbstwertgefühls. Wenn es in neuen Beziehungen nicht gut läuft, können die Opfer zu den Gefühlen zurückkehren, die sie während der Partnergewalt erlebt haben, und fragen: „Warum sollte mich jemand lieben?“
  • Kommunikationsprobleme: Die Psychologen schreiben, dass Kommunikation ein wichtiges Thema in neuen Beziehungen ist, da die Opfer darum kämpfen, neue Partner zu verstehen und ihnen zu erklären, was sie während der Partnergewalt und deren Auswirkungen auf ihr gegenwärtiges Verhalten erlebt haben. Frauen, die ihre Erfahrungen nicht mitteilen konnten, fühlten sich von ihren neuen Beziehungen distanziert.

St. Vil sagt, dass ihre Einzelinterviews kritische Aspekte der Erfahrungen von Partnergewalt-Erfahrenen erfassen. Das ist ein Ausgangspunkt, sagt sie. „Wir versuchen, die Tiefe des Problems zu verstehen und können die Daten aus dieser psychologischen Forschung für eine potenziell größere Studie nutzen.“

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Journal of Interpersonal Violence – https://doi.org/10.1177/0886260518779596

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