Häusliche Gewalt – Psychische Folgen

Häusliche Gewalt – Psychische Folgen

Beziehungsprobleme

Häusliche Gewalt: psychisch erkrankte Frauen eher Opfer

Klinische Psychologie – psychische Krankheitsbilder

04.02.2014 Frauen mit einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung sind fast viermal wahrscheinlicher Opfer von häuslicher Gewalt durch den Partner, laut einer neuen Studie des Women’s College Research Institute.

Verbreitung

„Unsere Studie zeigt, dass Frauen, die durch psychische bzw. emotionale Probleme oder Erkrankungen beeinträchtigt sind, eher Opfer werden“, sagt die Studienautorin Janice Du Mont.

„Je stärker die psychische Beeinträchtigung, desto höher war die Prävalenz (Auftreten) von häuslicher Gewalt.“.

Für die Studie befragten die Forscher 6.851 Frauen und stellten fest:

  • Fast 45 Prozent der Frauen mit einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung sagten, dass sie in den vorherigen fünf Jahren, Opfer von Diskriminierungen durch den Partner gewesen waren, verglichen mit 15 Prozent der Frauen ohne Beeinträchtigung;
  • Die Frauen mit einer schwerwiegenden psychischen Beeinträchtigung berichteten auch über ein geringeres Vertrauen in Bezug auf ihre Familie, Nachbarn und den Arbeitskollegen, sowie ein schwächer ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Gemeinschaft;
  • Diese Frauen berichteten ebenfalls über ein niedrigeres Haushaltseinkommen;
  • Alle Arten der Gewalttätigkeiten – emotionale, finanzielle, physische und/oder sexuelle, kamen bei Frauen mit sowohl schwerwiegenden als auch moderaten psychischen Störungen/Erkrankungen häufiger vor.

Folgen

„Für Frauen mit einer psychisch gebundenen Beeinträchtigung können die Folgen der Diskriminierungen verheerend sein“, sagte Du Mont.

  • „Es kann zu sozialer Isolierung führen;
  • die Frauen können einem größeren Risiko für gewalttätige bzw. missbrauchende Beziehungen ausgesetzt sein;
  • sie werden entmutigt, Hilfe wegen der gewälttätigen Beziehung und ihrer psychischen Probleme zu suchen.“

Die Befunde legen nahe, dass Prävention und Intervention gezielter auf Frauen mit psychischen Problemen/Erkrankungen gerichtet werden sollten, um sie besser vor häuslicher Gewalt schützen zu können“, sagte Du Mont.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Women’s College Hospital, BioMed Central Public Health, Feb. 2014

Häusliche Gewalt verursacht psychische Erkrankungen

14.04.2015 Eine neue Studie der Zeitschrift Depression and Anxiety hat herausgefunden, dass weibliche Opfer häuslicher Gewalt zusätzlich zu ihren körperlichen Verletzungen auch ein größeres Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen haben.

Forscher vom King’s College London, vom Institut Universitaire en Santé Mentale de Montréal (IUSMM) und der University of Montreal untersuchten die Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf das Risiko für psychische Erkrankungen – insbesondere Depression. Sie schauten sich dabei auch die Rolle bestimmter Faktoren wie Kindheitsmissbrauch und ökonomische Armut im Leben der Opfer an.

An der 10-jährigen Langzeitstudie nahmen 1.052 Mütter teil, die zu Beginn bzw. vorher nicht depressiv waren. Im Verlauf der Studie führten die Forscher zu mehreren Zeitpunkten Interviews durch.

Die Forscher entdeckten:

Gewalt an der Frau
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

  • Mehr als ein Drittel der Frauen berichteten über Gewalttätigkeiten seitens ihrer Beziehungspartner (z.B. geschlagen worden zu sein);
  • Diese Frauen hatten eine weitreichendere Geschichte von Kindheitsmissbrauch, Drogenmissbrauch, ökonomische Armut, früher Schwangerschaft und einer antisozialen Persönlichkeit aufzuweisen;
  • Sie litten doppelt so wahrscheinlich unter Depressionen, selbst als der Faktor Kindheitsmissbrauch berücksichtigt wurde;
  • Häusliche Gewalt hatte nicht nur Auswirkungen auf die Stimmung, sondern auch auf andere psychische Probleme. Diese Frauen hatten ein dreimal höheres Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie-ähnlichen psychotischen Symptomen.
  • Dieses Risiko verdoppelte sich für die Frauen, die auch Opfer von Missbrauch in der Kindheit waren.

„Angehörige der Gesundheitsberufe müssen über die Möglichkeit Bescheid wissen, dass Frauen, die psychische Probleme haben, auch Opfer von häuslicher Gewalt sein können – und umgekehrt“, sagte Autorin Louise Arseneault.

Diese gewalttätigen Handlungen lassen mehr als körperliche Verletzungen zurück; sie hinterlassen auch psychische Narben, sagte sie.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Depression and Anxiety, King’s College London, Institut Universitaire en Santé Mentale de Montréal, University of Montreal; April 2015

Starke Familienbande verringern Angst nach dem Erleben von häuslicher Gewalt

Eine Studie der Universität Limerick hat festgestellt, dass ’starke‘ Beziehungen zu Familienmitgliedern jungen Menschen, die elterliche häusliche Gewalt miterlebten, helfen können.

Selbstwertgefühl und Ängstlichkeit

Die auf der jährlichen Konferenz der British Psychological Society’s Psychology of Women Section’s in Windsor vorgestellten Befunde demonstrieren, dass diese starken Bindungen das Selbstwertgefühl stärken und Ängstlichkeit reduzieren können.

Frühere Forschungsstudien haben bereits zeigen können, dass starke soziale Bindungen als vorteilhafte psychologische Ressource besonders in Notzeiten wirken können, sagte Forscherin Catherine Naughton.

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Bild: Dami Wurtz

„In dieser Studie untersuchten wir, ob die Familienbande dem Selbstwert und der Angst von jungen Menschen zuträglich sein können, die während des Erwachsenwerdens häuslicher Gewalt zwischen ihren Eltern oder Bezugspersonen ausgesetzt worden waren.“

Für die Studie sammelten und analysierten die Forscher Daten von 465 Menschen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Die Freiwilligen nahmen an einer Online-Studie teil, die nach ihren Erfahrungen mit elterlicher häuslicher Gewalt der Bezugspersonen, ihren Familienbeziehungen und psychologischem Wohlbefinden fragte.

Familienbindungen

Ihre Befunde wiesen auf ein verringertes Selbstwertgefühl, erhöhte Ängstlichkeit und schwächere Familienbindungen bei Personen, die Zeuge elterlicher Gewalt geworden waren.

Junge Erwachsene mit starken Familienbindungen zeigten eine höhere Selbstachtung und weniger Angst. Der Puffer-Effekt starker Familienbande zeigte sich, wenn die Auseinandersetzungen zwischen den Eltern/Bezugspersonen als physische oder psychische Gewalt auftraten.

„Obwohl starke Familienbande bei einigen jungen Leuten – die häusliche Gewalt zwischen den Eltern erlebten – das Selbstwertgefühl stärkten und die Angst senkten, berichteten die meisten traurigerweise über schwache Bindungen zur Familie“, sagte Naughton. „Deshalb waren sie außerstande, vom psychologischen Nutzen zu profitieren, der von starken Familienbindungen ausgeht.“

Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt

Als erstes sollte man beim Umgang mit Opfern von Gewalt in der Familie (einschließlich Kindern) deren physische und psychische Sicherheit beachten.

Das heißt, angesichts der Verheimlichung bei häuslicher Gewalt ist es wichtig, dass die Eltern, Großfamilie und Dienstleister die schützende Wirkung von starken familiären Bindungen berücksichtigen.

Auf diese Weise können betroffene junge Menschen das Gefühl erhalten, Teil einer (Groß-)Familie zu sein, was letztlich positive psychologische Unterstützung bietet.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Limerick, British Psychological Society; Juli 2015

Der psychische Tribut gestörter Beziehungen: Angst und Depression

03.02.2020 Einige Formen häuslicher Gewalt verdoppeln für die Opfer das Risiko psychischer Folgen: Sie entwickeln in der Folge Depressionen und Angststörungen laut einer in Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology veröffentlichten Forschungsarbeit.

Die Studie von Zohre Ahmadabadi von der University of Queensland und Kollegen fand heraus, dass viele Opfer von häuslicher Gewalt durch die Intimpartner mit 21 Jahren Anzeichen einer psychischen Erkrankung im Alter von 30 Jahren zeigten, wobei Frauen eher Depressionen und Männer unterschiedliche Angststörungen entwickeln, schreiben die Wissenschaftler.

Gewalt durch Intimpartner wurde dabei als körperliche Misshandlungen wie Herumschubsen, Stoßen und Schlagen definiert.

Das Team habe ein gleiches Maß an häuslichen Misshandlungen durch Männer und Frauen festgestellt.

Die Untersuchung zeigt, dass Defacto-Paare und solche mit niedrigerem sozioökonomischen Hintergrund eher in diese Art von Misshandlungsbeziehungen verwickelt waren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology (2020). DOI: 10.1007/s00127-019-01828-1

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Re: Häusliche Gewalt verursacht psychische Erkrankungen

14.04.2015 Kommentar von vonnken:

Ja das kenne ich nur zu gut. Ich habe u.a. gewalt seid der Kindheit erlebt. Kam mit 26 an einem mann bei dem ich durch die Hölle bin. Psychische und körperliche gewalt. Dadurch haben sich meine psychischen Erkrankungen , welche ich zu der zeit schon hatte aber noch nicht diagnostiziert waren, noch mal erheblich verschlimmert wurden. Ich bin Borderline , habe Depressionen und eine Verhaltensstörung aufgrund zahlreicher Trauma. Heute mit 37 kämpfe ich gegen diese Störungen an um mit ihnen leben zu lernen. Es ist nicht einfach.

14.04.2015 Kommentar von Bibi:

Ich habe in meiner Kindheit jeden Tag körperliche Gewalt kennengelernt! Es ist sehr schwierig in meinem leben mit all den Herausforderung die dass Leben an mich stellt,klar zu kommen! Ich mache gerade eine Familien Therapie mit meinen Eltern da meine Mutter eine schwere Psychose hat! Und für mich eine Therapie! Ich bin Übergewichtig und schaffe keine Diät! Das schafft mich um so mehr! Zum Glück ist mein Mann ein ganz toller Mensch ist und mich nie geschlagen hat

Weitere Forschung / News

  • Depression und häusliche Gewalt führt zur Ernährungsunsicherheit
    zum Artikel.
  • Häusliche Misshandlungen von Müttern → psychische Erkrankungen
    zum Artikel.


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