Soziale(r) Ausgrenzung, Exklusion (Psychologie)

Sozialpsychologie

Definition

Die soziale Ausgrenzung oder Exklusion ist die soziale Benachteiligung und Abstieg an den Rand der Gruppe oder Gesellschaft. Der Begriff wird fächerübergreifend eingesetzt in Bildung, Soziologie, Psychologie, Politik und Wirtschaft.

Bei diesem Vorgang wird jemand (aus verschiedenen Gründen) aus einer Gruppe, von einem Vorhaben, einer Versammlung oder dergleichen ausgeschlossen (exkludiert).

Die soziale Ausgrenzung ist der Prozess, in dem Einzelpersonen oder ganze Gemeinschaften von Menschen systematisch verschiedene Rechte, Möglichkeiten und Ressourcen (oder der volle Zugriff darauf) verweigert werden, die normalerweise für die Mitglieder einer anderen Gruppe zur Verfügung stehen, und die von grundlegender Bedeutung für die soziale Integration in bestimmte Gruppen sind (wie z.B. Wohnen, Beschäftigung, Gesundheit, bürgerliches Engagement, demokratische Teilhabe und ordnungsgemäße Verfahren, Prozesse).

Sozialer Ausschluss: Wahrgenommene Wärme und Kompetenz (im Gesicht) beeinflussen moralisches Urteil

29.08.2016 Eine im Fachblatt Journal of Experimental Social Psychology publizierte Studie der Universität Basel stellte fest, dass die Akzeptanz von sozialer Ausgrenzung von der Wahrnehmung der 'Wärme' und 'Kompetenz' in den Gesichtszügen des Ausgegrenzten (Exkludierten) abhängt.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der erste subjektive Eindruck einer Person auch moralische Urteile beeinflussen kann, bei denen Objektivität eigentlich besonders wichtig wäre", sagte Studienautorin Dr. Selma Rudert vom Fachbereich für Sozialpsychologie.

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Bild: Markus Spiske

Einfluss der Gesichtzüge

Menschen werden oft von Gruppen exkludiert, sei es beim Mobbing, unter Freunden und Kollegen, in der Schule, in der Religion oder anderen sozialen Gemeinschaften. Die Wissenschaftler untersuchten, inwiefern die Gesichtszüge des ausgegrenzten Betroffenen die moralische Akzeptanz bei Dritten beeinflussen; denn ein moralisches Urteil bedarf Überlegung und Zeit, oberflächliche Hinweise - wie die Gesichtsmerkmale - können eine Urteilsfindung abkürzen.

Dazu analysierten die Psychologen die Daten mehrerer Studien, in denen sie knapp 500 Versuchsteilnehmern männliche Gesichter zeigten, die über eine Softwäre zur Gesichtsmanipulation in ihren Merkmalen verändert wurden. So machten sie entweder einen mehr oder weniger warmen/liebenswürdigen oder kühlen und kompetenten/inkompetenten Eindruck.

Moralische Akzeptanz der Ausgrenzung

Es zeigte sich, dass die Probanden es eher moralisch vertretbar fanden, Personen zu exkludieren, deren Gesichter kühler und weniger kompentent erschienen.

Und: Wirkten die Gesichter liebenswürdig und zugleich wenig kompentent, wurde die Ausgrenzung von den Probanden am wenigsten akzeptiert.

Die Wissenschaftler vermuten, dass liebenswürdige, inkompetente Personen "häufig als besonders schützenswert wahrgenommen werden" und es unfair wäre, diese auszugrenzen.

Zwar ist aus vorherigen Studien bekannt, dass warme bzw. kühle Gesichtszüge als solche erkannt werden, jedoch hat noch keine Studie eine Verbindung zwischen der Wahrnehmung dieser Gesichtsmerkmale und den Persönlichkeitscharakteristika ziehen können. Die Forscher sagen damit: "Der Schein trügt, und dennoch lassen sich Menschen von diesem Schein in ihrem Urteil leiten."

Dabei wäre Objektivität wichtig, sagte Rudert, da moralische Beurteilungen wichtige Auswirkungen in diesen Situationen haben können: "Es wäre denkbar, dass ein kühl und wenig kompetent aussehendes Ausgrenzungsopfer weniger Unterstützung erhält oder dass sich andere im schlimmsten Fall sogar auf die Seite der ausgrenzenden Gruppe schlagen - und dies nur aufgrund eines einzelnen Blicks in das Gesicht der ausgegrenzten Person."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Basel, Journal of Experimental Social Psychology - doi: 10.1016/j.jesp.2016.06.005; August 2016

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