Neurofeedback (Therapie)

Neurofeedback (Therapie)

Psychotherapieformen – Behandlungsmethoden

Neurofeedback kann Heranwachsenden helfen, ihre Emotionen zu kontrollieren

08.12.2015 Eine neue in der Zeitschrift NeuroImage präsentierte Studie zeigt, dass Neurofeedback jungen Menschen bei der Kontrolle ihrer Emotionen helfen kann.

Biofeedback-Verfahren

Neurofeedback ist eine Form von Biofeedback, bei der in Echtzeit die Gehirnaktivität angezeigt wird, um dem Benutzer beizubringen, wie er selbst seine Hirnfunktionen regulieren kann. Obwohl es bereits routinemäßig bei Erwachsenen eingesetzt wird, ist die Technik noch nicht bei jungen Menschen angewendet worden.

gehirn-computer-thermometer

Die Forscher erklären, dass emotionale Ereignisse in der Kindheit verschiedene psychische Probleme und sogar volle psychiatrische Störungen (in Fällen von emotional katastrophaler Ereignisse) verursachen können. Ein in der Jugend erlebtes Trauma kann zu späteren Problemen wie Depression, Angst und noch schwerwiegenderen Erkrankungen beitragen.

Die Studie setzte fMRT-basiertes Neurofeedback bei Heranwachsenden im Alter von sieben bis 16 Jahren ein.
„Sie schauten sich Emotionen auslösende Bilder an, während wir ihre Gehirnaktivität überwachten, bevor wir diese an sie ‚zurückgaben'“, sagte Forscher Moses Sokunbi von der International School of Advanced Studies. Die untersuchte Region des Gehirns war die Insula in der Großhirnrinde.

Thermometer des Gehirns

Die jungen Teilnehmer konnten das Aktivitätsniveau der Insula auf einem stilisierten „Thermometer“ (auf einem Computerbildschirm) sehen und sollten die Aktivität reduzieren oder steigern, indem sie kognitive Strategien anwendeten, deren Erfolg sie anhand der Wirkungen auf das Thermometer überprüfen konnten.

Alle lernten, wie sie die Insula-Aktivität steigern konnten, (reduzieren war etwas schwieriger).

Besondere Analysemethoden machten es möglich, das vollständige – mit der Emotionsregulation verbundene – Netzwerk (außer der Insula) und den internen Fluss der Aktivität zu erschließen. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler beobachteten, dass die Flussrichtung bei einer Aktivitätssteigerung sich umkehrte, wenn sie abnahm.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung von Neurofeedback über das Oberflächliche hinausging – die simple Aktivierung der Insula – indem das gesamte Netzwerk beeinflusst wurde, das die Emotionen reguliert, sagte Studienautorin Kathrin Cohen Kadosh von der Oxford Universität.

„Dies demonstriert, dass Neurofeedback eine Methode ist, die Heranwachsenden die Kontrolle bzw. Regulation der eigenen Emotionen beibringen kann“, sagte Koautorin Jennifer Lau vom Institut für Psychiatrie, Psychologie & Neurobiologie am King’s College London.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: King’s College London, Oxford Universität, NeuroImage; Dez. 2015

EEG-Neurofeedback nicht wirksamer als Placebo bei psychischen Störungen?

04.06.2016 Neurofeedback (auch EEG-Feedback genannt) basierend auf Elektroenzephalographie wird von vielen Therapeuten gelobt: Es würde die Gehirnfunktionen normalisieren und es könne wirksam bei einer Reihe von psychischen Störungen eingesetzt werden.

Die Biofeedback-Methode wird u.a. bei

Nicht besser als Placebo-Behandlung

Aber nach einer Überprüfung der wissenschaftlichen Literatur und Consulting-Experten in Europa und den Vereinigten Staaten schließen die Forscher Robert Thibault und Amir Raz von der McGill University, dass klinische Verbesserungen durch diese immer populärer werdende Alternativ-Behandlung auf einer Placebo-Wirkung beruhen.

In der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry berichten sie über die Befunde der von ihnen untersuchten Studien, dass ‚vorgetäuschte‘ Neurofeedback-Behandlung – also ‚Placebo-Neurofeedback‘ – die klinischen Resultate ebenso verbessert wie eine richtige EEG-Feedback-Behandlung.

Patienten stecken viel Geld und Zeit in das Gehirntraining mit Neurofeedback, sagte Thibault. „Und doch jagen sie nur schwer fassbaren gehirnbasierten Prozessen nach.“

Zukünftige Forschungen sollten sich auf die psychologischen und sozialen Einflüsse konzentrieren, die für die klinischen Verbesserungen verantwortlich sind und untersuchen, wie man diese Elemente sinnvoll als auch ethisch annehmbar einsetzen kann, schreiben die Forscher.

MRT-Feedback

Ein hoffnungsvolles Zeichen gab es allerdings: Im Gegensatz zur EEG-Feedback-Methode sind die Ergebnisse zu Neurofeedback mit funktioneller Magnetresonanztomographie vielversprechender – wenn auch vorläufig – im Hinblick auf das sich selbstregulierende Gehirn, sagten die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: McGill University, The Lancet Psychiatry – DOI: 10.1016/S2215-0366(16)30040-2; Juni 2016

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