Trauerstörung – pathologische Trauer

Trauerstörung – pathologische Trauer

Klinische Psychologie – Psychische Störungen

Traurigkeit, oder auch Melancholie genannt, ist eine (oft als belastend empfundene) Emotion, die meistens aufgrund eines (tatsächlichen oder angenommenen) Verlustes hervorgerufen wird. Die pathologische Form wird anhaltende Trauerstörung oder komplizierte Trauer genannt; dabei können sich die Betroffenen aus dieser Emotion nicht mehr lösen.

Konfrontation bei anhaltender Trauer hilfreich

29.10.2014 Kognitive Verhaltenstherapie mit Expositionstherapie (KVT/Exposition) – auch als Konfrontationstherapie bekannt, in der die Betroffenen die Erfahrungen mit dem Tod einer nahestehenden Person noch einmal durchleben, führte zu einer stärkeren Verringerung der sogenannten ‚verlängerten Trauerstörung‘ (oder ‚komplizierte Trauer‘; engl. prolonged grief disorder – PGD) als KVT allein.

Symptome der komplizierten Trauer

Die verlängerte Trauerstörung umfasst Symptome wie:

  • Eine anhaltende Sehnsucht nach dem verstorbenen und dem zugehörigen emotionalen Schmerz,
  • Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren,
  • Gefühle der Sinnlosigkeit,
  • Verbitterung hinsichtlich des Todes und
  • Schwierigkeiten, sich mit (neuen) Aktivitäten zu beschäftigen.

Um mit komplizierter Trauer diagnostiziert zu werden, müssen die Symptome mindestens sechs Monate andauern. Pathologische Trauer ist wegen der Inanspruchnahme (z.B. intensive Gefühle) eines Betroffenen durch die Sehnsucht nach dem Verstorbenen, von der Depression (Gefühlsleben eher flach) zu unterscheiden.

KVT/Exposition vs. kognitive Verhaltenstherapie allein

Die randomizierte klinische Studie der University of New South Wales in Sydney mit 80 pathologisch trauernden Patienten versuchte die Wirksamkeit von KVT/Exposition (n = 41) und kognitiver Verhaltenstherapie allein (n = 39) zu bestimmen. Alle Patienten erhielten 10 wöchentlich stattfindende, zweistündige Gruppentherapie-Sitzungen. Die Patienten bekamen auch vier individuelle Sitzungen, in denen sie Expositionstherapie erhielten (sie erlebten darin noch einmal die Erfahrungen mit dem Tod der geliebten Person) oder kognitive Verhaltenstherapie allein, in der sie ansprechen konnten, was immer sie wollten. Als Resultate waren Depression, kognitive Beurteilungen und Funktionen nach sechs Monaten gemessen worden.

Die Analysen zeigten, dass KVT/Exposition zu einer größeren Linderung der komplizierten Trauer führte als KVT allein: es kam zu größeren Reduktionen bei Depression, negativen Beurteilungen und funktionellen Beeinträchtigungen bei der Nachtestung. Weniger Patienten in der KVT/Exposition-Gruppe (14,8 Prozent) entsprachen den Kriterien für verlängerte Trauerstörung als in der KVT-Gruppe (37,9 Prozent).

Die verlängerte Trauerstörung hat offiziell keine eigene Eintragung im ICD 10 oder DSM V als psychische Störung; sie rangiert dort unter Anpassungsstörungen. Dennoch, und auch wenn man sich noch nicht einig ist, wie und wann sie diagnostiziert werden sollte, wird das Syndrom für manche Menschen zu einem ernsthaften Problem.

© PSYLEX.de – Quelle: JAMA Psychiatry / University of New South Wales in Sydney, Australia, Oktober 2014

Was tun bei Trauer und Kummer

Trauern ist ein natürlicher Heilungsprozess, nach einem bedeutsamen Verlust wie, der Tod einer geliebten Person, Verlust der eigenen Gesundheit oder das Ende einer Beziehung.

Die American Academy of Family Physicians gibt Ratschläge, wie die Hilfe / Selbsthilfe während eines Prozesses der Trauer aussehen kann:

Tipps, Ratschläge

  • Reden Sie mit anderen darüber, wie Sie sich fühlen, und fürchten Sie nicht, nahe Personen um Hilfe zu bitten.
  • Versuchen Sie, die täglichen Aufgaben zu meistern um zu vermeiden, mit diesen in Rückstand zu geraten und sich dadurch noch mehr Probleme aufzubürden bzw. sich überwältigt zu fühlen.
  • Versuchen Sie, regelmäßig Sport zu machen, gesunde Nahrung zu essen und eine Menge Schlaf zu bekommen.
  • Trinken Sie keinen Alkohol, der Sie letztlich nur dazu bringen wird, sich noch deprimierter zu fühlen.
  • Drängen Sie sich, zu Ihrer regelmäßigen Routine so schnell wie möglich zurückzukehren.
  • Vermeiden Sie es, gerade nach einem Verlust größere Entscheidungen zu treffen.
  • Erlauben Sie sich, die typischen Symptome des Kummers, wie: Traurigkeit, Weinen, Wut und Taubheit, zu fühlen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: American Academy of Family Physicians, Juli 2010

Wenn Sie merken, dass die Trauer nicht aufhört, bzw. Sie sich nicht aus ihr befreien können, könnte eine Trauerstörung vorliegen bzw. sich entwickeln. Es sollte dann ein Psychologe / Psychotherapeut aufgesucht werden.

Klinische Studie untersuchte Behandlung von komplizierter Trauer

14.06.2016 Eine neue in JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie der Columbia University berichtet über die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Untersuchung, bei der geprüft wurde, ob das Antidepressivum Citalopram die Behandlung von komplizierter Trauer durch eine speziell darauf konzipierte Psychotherapie unterstützen kann.

Symptome der verlängerten Trauerstörung

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Bild: George Hodan

Komplizierte Trauer (auch verlängerte Trauerstörung genannt) kommt ungefähr bei 7 Prozent der hinterbliebenen Personen vor, und ist durch beharrliche maladaptive Gedanken, dysfunktionales Verhalten und schlecht kontrollierte Emotionen gekennzeichnet, die die Fähigkeit stören, mit dem Verlust umzugehen.

Gleichzeitig auftretende depressive Symptome sind üblich, aber komplizierte Trauer wird klar von klinischer Depression unterschieden.

M. Katherine Shear und ihre Koautoren untersuchten in einer Studie 395 erwachsene Hinterbliebene mit diagnostizierter verlängerter Trauerstörung aus Boston, New York, Pittsburgh und San Diego.

Citalopram + Psychotherapie

Sie wurden in Gruppen aufgeteilt und erhielten

  • Citalopram (n=101),
  • Placebo (n=99),
  • eine spezielle Psychotherapie gegen komplizierte Trauer zusammen mit Citalopram (n=99) oder
  • Psychotherapie + Placebo (n=96).

Die Mehrheit der Studienteilnehmer waren Frauen (78 %), und sie waren (82 %) weiß.

Die Autoren berichten, dass die Psychotherapie bei der pathologischen Trauer wirksam zu sein scheint, und dass die zusätzliche Gabe von Citalopram das Ergebnis nicht bedeutsam verbesserte. Traten jedoch zusätzliche depressive Symptome auf, konnten diese deutlich besser durch das zusätzlich gegebene Citalopram gelindert werden.

Die verlängerte Trauerstörung ist eine schwerwiegende, verbreitete und oft chronische und belastende Störung, die anerkannt und behandelt werden muss, sagten die Autoren.

Complicated grief treatment (CGT)

Complicated grief treatment (CGT) – eine auf interpersonelle Psychotherapie, motivierende Gesprächsführung, positive Psychologie und kognitive Verhaltenstherapie basierende Behandlungsmethode – ist die Therapie der ersten Wahl, sagten sie.

Die Ergebnisse unterstützen den Gebrauch von Antidepressiva in Verbindung mit CGT zur Linderung koauftretender depressiver Symptome. Wenn CGT nicht verfügbar ist, kann CGT-informiertes unterstützendes klinisches Behandlungspersonal mit oder ohne Antidepressiva ein hilfreicher Ansatz sein, schließt die Studie.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Columbia University, JAMA Psychiatry – DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2016.0892; Juni 2016

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