Verbessert sich die Einstellung zum Älterwerden, kann sich die Gesundheit verbessern

Verbindungen zwischen der Zufriedenheit mit dem Älterwerden und den Ergebnissen in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden bei älteren Menschen

10.02.2022 Wenn Menschen sich hinsichtlich ihres Alterns besser fühlen, könnte dies später zu konkreten Verbesserungen bei Gesundheit und Wohlbefinden führen laut einer neuen Studie der University of British Columbia (UBC).

Die Forscher verfolgten über einen Zeitraum von vier Jahren, wie sich die Einstellung der Teilnehmer zu ihrem eigenen Älterwerden veränderte, und untersuchten dann nach weiteren vier Jahren messbare Veränderungen bei Gesundheit und Wohlbefinden. Teilnehmer, deren Einstellung sich in den ersten vier Jahren verbessert hatte, wiesen vier Jahre später mit größerer Wahrscheinlichkeit messbare gesundheitliche Verbesserungen auf.

Frühere Forschungsarbeiten haben sich damit befasst, wie psychologische Risikofaktoren – wie Depression und Stress – die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden negativ beeinflussen können. Die aktuelle Studie befasste sich jedoch mit Faktoren, die sich positiv auf die Gesundheit und das psychische Wohlbefinden auswirken können, so Julia Nakamura von der Fakultät für Psychologie der UBC und Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Interventionen zur Steigerung der Zufriedenheit im Alter die Gesundheit und das Wohlbefinden der schnell wachsenden älteren Bevölkerung verbessern könnten.

Gesundheit und Wohlbefinden gewinnen gegenüber rein wirtschaftlichen Indikatoren als Mittel zur Messung des Fortschritts in einer Gesellschaft an Bedeutung. Regierungen und zwischenstaatliche Organisationen haben erkannt, dass die Verwendung des Bruttoinlandsprodukts als Hauptmaßstab für den Erfolg zu einer Politik führen kann, die die ökologische, psychologische und soziale Gesundheit abwertet. Sie suchen daher zunehmend nach ganzheitlicheren Methoden zur Messung des gesellschaftlichen Wohlbefindens.

Die Studie

Für diese Studie haben mehr als 13.000 Personen über 50 Jahre zwischen 2008 und 2018 Daten aus der Health and Retirement Study in den USA zur Verfügung gestellt. Das Forscherteam unter der Leitung von UBC-Assistenzprofessor Dr. Eric Kim und Biostatistiker Dr. Tyler VanderWeele von der Harvard University analysierte die Daten der Teilnehmer in drei separaten Intervallen im Abstand von vier Jahren.

Im ersten Intervall erfassten die Forscher erste Messwerte zu Gesundheit und Wohlbefinden. Außerdem erfassten sie die Zufriedenheit mit dem Älterwerden anhand der Antworten der Teilnehmer auf Aussagen wie:

  • Die Dinge werden immer schlechter, je älter ich werde.
  • Ich bin jetzt genauso glücklich wie damals, als ich jünger war.
  • Je älter ich werde, desto nutzloser fühle ich mich.

Im zweiten Intervall wurde die Zufriedenheit mit dem Alter erneut bewertet.

Im dritten und letzten Intervall wurde gemessen, wie sich Gesundheit und Wohlbefinden vier Jahre nach der zweiten Messung der Zufriedenheit mit dem Altern verändert hatten.

Von den 35 gemessenen Ergebnissen hatten sich 27 in Verbindung mit einer verbesserten Zufriedenheit mit dem Altern vier Jahre zuvor verbessert.

Umgekehrt wurde eine Abnahme der Zufriedenheit mit dem Altern vom ersten zum zweiten Intervall mit einer Verschlechterung der Gesundheit und des Wohlbefindens im dritten Intervall in Verbindung gebracht.

Die Reihenfolge, in der diese Messungen durchgeführt wurden, ist wichtig. Man könnte erwarten, dass Menschen in besserem Gesundheitszustand eine positivere Einstellung zum Altern haben als Menschen mit gesundheitlichen Problemen, aber diese Analyse zeigte, dass die Zunahme der Zufriedenheit mit dem Altern eindeutig vor der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden lag.

Interventionen

Maßnahmen, die dazu führen, dass die Menschen eine bessere Einstellung zum Altern entwickeln, könnten möglicherweise konkrete Vorteile bringen, so Nakamura. Diese Maßnahmen könnten sowohl auf individueller als auch auf breiterer, gesellschaftlicher Ebene ansetzen. Auf gesellschaftlicher Ebene sind die Bekämpfung von Altersdiskriminierung und der Abbau negativer Stereotypen über das Altern mögliche Wege zur Verbesserung der individuellen Zufriedenheit mit dem Altern. Wenn eine Person glaubt, dass das Altern eine negative Erfahrung sein wird, kann dies zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.

© Psylex.de – Quellenangabe: JAMA Network Open (2022). DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.47797

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