Hitze, Wärme (Psychologie, Psyche)

Biologische Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Unbehagliche Wärme macht Menschen launisch und weniger hilfsbereit

23.06.2017 Eine im Fachblatt European Journal of Social Psychology publizierte Forschungsarbeit der Universitäten Lehigh und Northwestern in Evanston untersuchte die psychologischen Auswirkungen von unangenehmer Wärme in der Umgebung (also z.B. im Büro, Sommerhitze etc.) auf die Psyche.

Die Psychologinnen Liuba Belkin und Maryam Kouchaki analysierten dazu die Ergebnisse aus drei Studien.

Geringere Hilfsbereitschaft

In der ersten wurden die Daten einer großen russischen Einzelhandelskette analysiert, die es den Forscherinnen erlaubten, individuelles Verhalten unter heißen mit dem unter normalen Temperaturbedingungen zu vergleichen.

Angestellte, die in einer unangenehm heißen Umgebung arbeiteten, zeigten mit einer um 50% erhöhten Wahrscheinlichkeit weniger prosoziale Verhaltensweisen - wie freiwillig den Kunden zu helfen, aktiv zuzuhören und Vorschläge zu machen.

Psychische Erschöpfung, Gereiztheit

In der zweiten sollten sich Teilnehmer an eine Situation in einer unangenehm heißen Umgebung erinnern oder sie sich vorstellen. Anschließend wurden ihre Gefühle und Wahrnehmungen mit Hilfe einer Reihe von Fragebögen erfasst. Sie wurden dann gefragt, ob sie bei einer freiwilligen - nicht bezahlten - Umfrage teilnehmern würden.

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Obwohl die Teilnehmer keine unangenehme Wärme der Umgebung verspürten, empfanden sie eher psychische Erschöpfung, waren müder, und zeigten eine schlechtere Stimmung und weniger prosoziales Verhalten als eine Kontrollgruppe.

Nur 34% aus der Gruppe mit der imaginierten unangenehmen Hitze zeigten Hilfsbereitschaft im Vergleich zu 76% in der Kontrollgruppe.

Interessanterweise hing dies von der festgestellten Stimmungslage ab: Stellten sich die Teilnehmer eine unangenehm heiße Umgebung vor und verstärkte dies deren negative Affektivität (psychologischer Begriff: umfasst die Gesamtheit des Gefühls- und Gemütslebens), hatte dies jedoch keine Auswirkung auf das prosoziale Verhalten - im Gegensatz zu einer Verringerung des positiven Affekts (vorübergehende Gemütserregung).

Verändertes Verhalten

In einem dritten Experiment konnten die Psychologinnen feststellen, dass selbst leichtere Schwankungen der Temperatur das Verhalten änderte.

Eine Teilnehmer-Gruppe saß in einem klimatisierten Raum mit normaler Temperatur, die andere in einem Zimmer mit erhöhter Temperatur (Unterschied in der Raumtemperatur war 15°).

Die Forscherinnen baten dann die Probanden, eine Reihe von Fragen zu beantworten und eine Umfrage auszufüllen - für eine Wohltätigkeitsorganisation, die Kindern und unterprivilegierten Personen in der örtlichen Gemeinschaft half.

Nur 64% im unangenehm warmen Raum stimmten zu, zumindest eine Frage zu beantworten, während dies im kühleren Raum 95% taten.

Interessanterweise halfen auch diejenigen im heißeren Raum, die sich bereit erklärt hatten zu helfen, im Durchschnitt etwa zu nur einem Sechstel der Hilfe, die die Teilnehmer im kühleren Raum bereitstellten.

Einige dieser Teilnehmer wollten vermutlich früh der Wärme im Raum entkommen, sagte Belkin, aber was auch immer der Grund war, es hat ihre Wahrnehmungen, Gefühle und Verhalten - ihre gesamte Psyche - beeinflusst.

Die Psychologin fügte hinzu, dass sie auch in der Lage war, die körperlichen / psychologischen Mechanismen zu replizieren, die die Reduktion des prosozialen Verhaltens vorantreiben - das gleiche Muster der Ergebnisse wie in der Studie 2 zeigte, dass die unangenehm warme Raumtemperatur die Ermüdung verstärkte, den positiven Affekt verringerte und dann zu einer geringeren Hilfsbereitschaft führte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Lehigh und Northwestern; European Journal of Social Psychology - DOI: 10.1002/ejsp.2242; Juni 2017

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