Psychische Folgen von Kindesmisshandlung

Psychische Folgen von Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Warum einige Opfer von Kindesmissbrauch bestimmte psychische Erkrankungen entwickeln

15.10.2018 Kinder, die körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht wurden, sind einem größeren Risiko für die Entwicklung psychischer Gesundheitsprobleme im späteren Leben ausgesetzt.

Die Schwere dieser psychischen Probleme kann von der Zeit abhängen, in der der Missbrauch zuerst begann, wie lange er dauerte und von der Schwere der Misshandlung laut einer im Fachmagazin Child Abuse and Neglect veröffentlichten Forschungsarbeit. Die Studie legt nahe, dass Missbrauch bei Kindern ab 5 Jahren die schädlichsten Folgen auf die psychische Gesundheit haben kann.

Beginn, Dauer und Schwere


Bild: Unsplash

Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die einzigartigen Auswirkungen der verschiedenen Dimensionen von Misshandlungen in der Kindheit auf die psychische Gesundheit, einschließlich wann sie begannen, wie lange sie stattfanden und wie schwer sie waren, sagte Jonathan Adams vom Fachbereich Psychologie der Universität Alabama at Birmingham und leitender Autor der Studie.

Die Identifizierung der Effekte von Missbrauch könnte Eltern und Fachleuten helfen, mit den Folgen besser umzugehen und nach Anzeichen von psychischen Problemen zu suchen, wenn das Kind älter wird.

Depression, Angststörungen und PTBS

Die Psychologen befragten Jugendliche und junge Erwachsene zu Beginn, Dauer und Schwere der körperlichen Misshandlungen und sexuellen Missbrauchs sowie zu Symptomen von Depressionen, Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).

Die Studie zeigte, dass

  • Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren, die körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht wurden, eher Symptome von Depression, Angst und PTBS entwickelten.
  • Kinder im Alter von 13 Jahren oder älter, die sexuell missbraucht wurden, entwickelten auch wahrscheinlicher Symptome von Depressionen, Angstzuständen und PTBS im späteren Leben, und
  • diejenigen, die in diesem Alter körperlich misshandelt wurden, berichteten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit über PTBS-Symptome.
  • Frauen, die als Kind sexuell missbraucht worden waren, berichteten in Folge der Taten über mehr Symptome psychischer Erkrankungen als Männer.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Child Abuse and Neglect – doi:10.1016/j.chiabu.2018.09.019

Misshandelte oder vernachlässigte Kinder entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit schwere Störungen der Psyche

28.09.2019 Eine in The Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt, dass misshandelte, missbrauchte oder vernachlässigte Kinder eher schwere psychische Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie und bipolare Störungen entwickeln.

Psychose, Schizophrenie und bipolare Störung

Die Wissenschaftler Joht S. Chandan vom Institute of Applied Health Research der Universität Birmingham und Kollegen untersuchten Aufzeichnungen von 217.758 Patienten unter 18 Jahren von Allgemeinpraxen (1995 – 2018), die eine Misshandlung oder ähnliche Probleme im Kindesalter erlebt hatten oder bei denen dies vermutet wurde, und verglichen sie dann mit den Aufzeichnungen von 423.410 Kontrollpatienten.

Misshandelte Patienten entwickelten mehr als doppelt so wahrscheinlich schwere psychische Erkrankungen wie Psychosen, Schizophrenie und bipolare Störungen oder benötigten ein Rezept zur Behandlung von psychischen Störungen – verglichen mit den nicht misshandelten Kontrollpatienten.

Depression und Angststörung

Die Psychologen und Ärzte stellten ebenfalls fest, dass missbrauchte bzw. vernachlässigte oder sonstwie misshandelte Kinder mit mehr als doppelter Wahrscheinlichkeit psychische Folgen wie Depressionen oder Angststörungen entwickelten.

Die Forscher fanden auch eine deutlich zu geringere Erfassung von Kindesmisshandlung in den Datensätzen der Allgemeinmediziner und sagen, dass potenzielle Möglichkeiten, Kindesmisshandlung zu erkennen oder Interventionskonzepte für diese gefährdeten Personen umzusetzen, verpasst werden.

Psychologische Dienste, die darauf abzielen, die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Betroffenen von Misshandlungen zu erhöhen, haben sich als vielversprechend erwiesen, wenn es darum geht, die Entwicklung von psychischen Erkrankungen zu reduzieren, schreiben die Studienautoren.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: The Lancet Psychiatry (2019). DOI: 10.1016/S2215-0366(19)30369-4

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