Ursachen, Auftreten und Risikofaktoren – Psychose

Ursachen, Auftreten und Risikofaktoren von Psychosen

Die Psychose ist ein Verlust des Kontaktes mit der Realität, was normalerweise beinhaltet:

  • Falsche Überzeugungen / Annahmen über das, was stattfindet, oder wer man ist (Wahnvorstellungen).
  • Dinge sehen oder hören, die nicht vorhanden sind (Halluzinationen).

Psychische Erkrankungen / Störungen

Ursachen und Risikofaktoren

Psychose - Ernst von Feuchtersleben
Ernst von Feuchtersleben, benutzte
erstmalig den Begriff Psychose

Psychosen können entstehen durch psychosoziale Ursachen (z.B. durch ein Kindheitstrauma; diese Ursachen wurden noch nicht so gut untersucht s.u. News). Medizinische Probleme, die psychotische Zustände verursachen können, wurden schon besser untersucht, etwa:

Auftreten / Komorbidität: andere psychische Störungen

Psychosen (oder psychotische Symptome) können auch vorkommen bei

Traumatische Kindheitserfahrungen, Cannabiskonsum und Neurotizismus

01.02.2016 Wiederholte traumatische Erfahrungen in der Kindheit erhöhen das Psychoserisiko um mehr als das 7-fache.

50 Geschwisterpaare (jeweils ein Geschwister mit, das andere ohne Psychose) nahmen an der Studie der Universität Granada teil.


Bild: Gerd Altmann

Die in der Zeitschrift Journal of Psychiatric Research veröffentlichte Studie untersuchte das Psychoserisiko für Kinder und Jugendliche, die wiederholt traumatische Erfahrungen erlebten:

  • Das Risiko für psychotische Phasen im Erwachsenenalter stieg auf das 7,3-fache an im Vergleich zu den Heranwachsenden ohne traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit, schreiben die Wissenschaftler.
  • Außerdem zeigte es sich, so die Forscher, dass starker Cannabiskonsum (mehr als 4 mal pro Woche) während des Heranwachsens dieses Risiko mit 6 multipliziert.
  • Auch steigt die Wahrscheinlichkeit um 30% für jeden Punkt auf einer Skala an, die die Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus oder emotionale Instabilität (Unsicherheit, hohes Angstniveau, konstantes Stadium von Sorge und Stress usw.) misst, konnten de Wissenschaftler beobachten.

Diese drei Zusammenhänge sind voneinander, vom Geschlecht, Alter, Extraversion (eine andere Persönlichkeitseigenschaft des sogenannten Eysenck Persönlichkeitstests, den die Forscher bei dieser Studie verwendeten) unabhängig, sagten die Forscher.

Das internationale Forscherteam unter Leitung der Psychiatrie-Professoren Manuel Gurpegui und Jorge Cervilla verglich die Charakteristika von 50 Patienten mit kürzlichen psychotischen Phasen mit denen ihrer nicht-psychotischen Geschwister, um den Ursachen für die Entstehung psychotischer Zustände auf den Grund zu gehen.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universität Granada, Journal of Psychiatric Research; Jan. 2016

Kalkulator kann Psychose-Risiko voraussagen

03.07.2016 Das individuelle Risiko eine Psychose zu entwickeln, kann ebenso genau gemessen werden wie die Prognose für eine Herzerkrankung oder Krebs laut einer neuen im Fachblatt American Journal of Psychiatry veröffentlichten Forschungsarbeit der Yale Universität.

Der neue Risiko-Kalkulator bewertet die Gefahr für eine sich entwickelnde Psychose, nachdem eine Person ein Frühwarnzeichen für Schizophrenie gezeigt hat – etwa wie das Hören einer Stimme, die den eigenen Namen ruft, auch wenn man sich klar ist, dass niemand sonst da ist.

Viele Betroffene und ihre Familien fragen um Hilfe und Rat nach solchen Episoden, und man kann ihnen nur etwas über das durchschnittliche Risiko erzählen. Etwa 15 % bis 25 % dieser Personen werden eine Psychose entwickeln, sagt Tyrone Cannon, Prof. für Psychologie und Psychiatrie an der Yale und leitender Autor der Studie.

Aber mit dem von den Wissenschaftlern entwickelten Werkzeug können Betroffene mit Psychose-Frühwarnzeichen von Ärzten eine viel persönlichere und damit genauere Auskunft darüber haben, wie groß ihr Risiko für eine Psychose ist.

Abgeschwächtes Psychose-Syndrom

Cannon und Kollegen analysierten die Daten von 596 Teilnehmern (gesammelt an 8 Studienorten), die mit dem Abgeschwächten Psychose-Syndrom diagnostiziert wurden – d.h. diese Personen haben jüngst einige Veränderungen in der Wahrnehmung erfahren und/oder ungewöhnliche Gedanken entwickelt.

Diese Personen konnten erkennen, dass ihre Wahrnehmungen bzw. Annahmen nicht auf wirklichen Dingen beruhten, und sie entsprachen nicht der Definition der Psychose.

In Zusammenarbeit mit Forschern der Cleveland Clinic entwickelten Cannon und Kollegen dann einen Risiko-Berechner, der bekannte Risikofaktoren für Schizophrenie analysiert. Sie folgten den Teilnehmern zwei Jahre lang.

Die berechneten Risikofaktoren

16 % der Teilnehmer entwickelten in diesem Zeitraum eine Psychose. Diejenigen mit der größten Gefahr für eine Psychose waren Personen,

  • die jünger waren, als ihre anfänglichen Symptome begannen,
  • die öfter Gedanken mit ungewöhnlichem Inhalt bzw. Argwohn darin hatten,
  • sie zeigten einen größeren Rückgang bei den sozialen Funktionen,
  • hatten schlechtere verbale Lernfähigkeiten und
  • sie waren langsamer bei der mentalen Prozessen.

Das Ausmaß des Risikos einer Person für eine Psychose wird bestimmt durch sein/ihr Profil hinsichtlich dieser fünf Faktoren, sowie durch die Familiengeschichte und den Erlebnissen stressender oder traumatischer Lebensereignisse.

Cannon betonte, dass die Genauigkeit des Rechners von der Auswertung eines ausgebildeten Fachmanns abhängt, dass ein Patient unter dem Abgeschwächten Psychose-Syndrom leidet. Der Kalkulator kann besonders wertvoll in klinischen Studien bei der Testung von Interventionen sein, die den Beginn einer ausgewachsenen Psychose verhindern können, sagte Cannon.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: Yale Universität, American Journal of Psychiatry; Juli 2016

News und Forschung zu den Ursachen/Risikofaktoren

  • Studie untersuchte die Prävalenz von bestätigten Kindesmisshandlungen und ihre Auswirkungen auf Psychose-ähnliche Erfahrungen.
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  • Studie: 30 Risikofaktoren und 5 Schutzfaktoren während und nach der Schwangerschaft für Psychosen bei Kindern
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  • Studie stellt starke regionale Unterschiede bei der Auftretenshäufigkeit psychotischer Ereignisse fest, was für einen starken Einfluss von Umgebungsfaktoren spricht.
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  • Schulwechsel können Psychose-Risiko erhöhen
    Schulwechsel können psychoseähnliche Symptome in späteren Jahren verursachen, laut einer neuen Forschungsstudie der Warwick University.
  • Kindheitstraumata können zu Psychosen/Schizophrenie führen
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    Ein Trauma in der Kindheit kann eine Erhöhung des Risikos für die Entwicklung psychotischer Störungen in späteren Jahren verursachen.
  • Psychotiker eher Linkshänder?
    Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen Psychotikern und des Auftretens von Linkshändigkeit bei ihnen entdeckt.
  • Forschungsarbeit untersuchte psychosoziale Risikofaktoren für psychotische Ersterkrankung.
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