Angststörung Behandlung, Therapie

Psychische Störungen - Angststörungen

Forschung- und Newsartikel zur Behandlung / Therapie von Angststörungen im Allgemeinen.

Elektrische Gehirnstimulation hilft Angstdenken aufzulösen

16.12.2014 Australische Forscher haben herausgefunden, dass transkranielle Gleichstromstimulation dabei helfen kann, nicht hilfreiche kognitive - mit Angst und Depression verbundene - Verhaltensweisen zu verlernen.

Elektrische Gehirnstimulation

Die Wissenschaftler der University of Western Australia fanden in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität von Oxford heraus, dass etwa 20 Minuten direkte elektrische Stimulierung einer Region des frontalen Cortex die Wirksamkeit einer rechnergestützten Aufgabe dramatisch verbessern konnte (kognitive computergestützte Verhaltenstherapie). Dieses Programm war entworfen worden, um ungünstige Wahrnehmungssmuster - die ein hohes Angstniveau aufrechterhalten - umzutrainieren.

Attention Bias Modification

Der leitende Autor Dr. Patrick Clarke sagte, dass das kognitive Trainingsverfahren (Attention Bias Modification), bereits vielversprechende Behandlungsresultate bei Angststörungen, Depression, Sucht und Essstörungen gezeigt hätte.

Dabei führen die Patienten eine einfache Aufgabe aus, indem sie wiederholt bestimmte nicht hilfreiche Informationen - wie ärgerliche Gesichter oder negative Wörter - ignorieren, die ihre Aufmerksamkeit normalerweise auf sich ziehen würden, sagte er.

"Je mehr das Programm die Aufmerksamkeit der Patienten von diesen ungünstigen Informationen wegzunehmen vermag, desto höher ist die daraus resultierende Wirksamkeit und der Nutzen (weil die Angst schwindet).

Transkranielle Gleichstromstimulation

"Unsere Kollegen aus Oxford waren zuvor in der Lage, einen Bereich des frontalen Cortex zu identifizieren, von dem sie glauben, dass er für die entscheidende Veränderung der Wahrnehmung verantwortlich ist. Was besonders aufregend an unserer Studie ist: Wir konnten zeigen, dass transkranielle Gleichstromstimulation dieses Bereiches die Wirksamkeit des Trainings erhöhen kann."

Die Stimulationstechnik, bekannt als transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation oder tDCS), kann die Aktivität in Bereichen des Gehirns durch die Verabreichung eines schwachen elektrischen Stroms auf die Kopfhaut verbessern.

"Es hat bereits einige Forschungsarbeiten gegeben, die die Gehirnstimulation als eine alleinstehende Behandlung bei Störungen wie Depression untersuchten, aber unsere Befunde legen nahe, dass sie am besten in Verbindung mit spezifischen kognitiven Trainingsaufgaben wie z.B. unserer funktionieren", sagte Dr. Clarke.

© PSYLEX.de - Quellen: Biological Psychiatry, University of Western Australia, Universität von Oxford; Dezember 2014

Nur jeder zehnte Patient mit Angststörung erhält die richtige Behandlung

24.01.2018 Der Direktor des Epidemiologie- und Public-Health-Programms am Hospital del Mar Medical Research Institute Jordi Alonso wurde von der World Mental Health beauftragt, eine internationale Studie über die Angemessenheit der Behandlung von Angststörungen auf der ganzen Welt durchzuführen.

Die Ergebnisse einer Stichprobe von mehr als 51.500 Personen aus 21 verschiedenen Ländern zeigen, dass 10 % der Menschen unter starken Angstzuständen leiden.

Adäquate Therapie in 9,8% der Fälle

Von diesen haben nur 27,6 % irgendeine Form von Behandlung erhalten, und diese war nur in 9,8 % der Fälle als angemessen erachtet worden. Es ist das erste Mal, dass eine Studie die Versorgungslücke bei Angststörungen auf internationaler Ebene beschreibt.

frau mit angst
Bild: LoganArt

Schätzungsweise 10% der Weltbevölkerung sind von Angststörungen betroffen, schreiben die Forscher im Fachblatt Depression and Anxiety. Diese Pathologien neigen dazu, chronisch, komorbid und mit einer deutlichen Beeinträchtigung verbunden zu sein.

2010 kosteten sie 30 Ländern der Europäischen Union 74.400 Millionen Euro; es handelt sich also um ein wichtiges Problem der öffentlichen Gesundheit, erklärt Jordi Alonso.

Unterschiedliche Prävalenz

Die Häufigkeit der Erkrankung ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Es wurde berechnet, dass 5,3 % der afrikanischen Bevölkerung von Angststörungen betroffen sind, während es in Europa 10,4 % sind.

Es sollte auch darauf hingewiesen werden, dass einige Angststörungen, insbesondere Phobien, soziale Ängste und Trennungsangst sehr früh einsetzen (im Alter von 5 bis 10 Jahren), während andere Angststörungen wie Generalisierte Angststörung, Panikstörung und Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) im Alter von 24 bis 50 Jahren auftreten und eine viel breitere transnationale Variation aufweisen.

Angemessene Behandlung

Eine adäquate Behandlung einer Angststörung, die sich über einen Zeitraum von 12 Monaten entwickelt hat, wird entweder als pharmakologische Behandlung mit mindestens vier Arztbesuchen oder als psychotherapeutische Behandlung mit mindestens acht Therapiesitzungen erachtet.

Eine geeignete Therapie dieser Pathologie würde verhindern, dass die Erkrankung chronisch wird und die Wahrscheinlichkeit einer Komorbidität mit anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen wie Depressionen verringern, erklärt Victor Pérez, Direktor des Instituts für Psychiatrie und Sucht des Hospital de Mar.

Faktoren

Der geringe Anteil der Patienten, die eine adäquate Behandlung von Angststörungen erhalten, ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen.

In vielen Fällen erkennt weder der Patient noch das Gesundheitssystem die Therapiebedürftigkeit. Tatsächlich sind sich nur 41,3 % der Betroffenen der Notwendigkeit einer Behandlung bewusst, und wenn die Angst nicht mit einer anderen Art von Störung kombiniert auftritt, sinkt dieser Prozentsatz auf 26,3 %.

Hinzu kommen die Schwächen des Gesundheitssystems, die Behandlungskosten und das von den Betroffenen wahrgenommene Stigma, das ihre Behandlung weiter limitiert.

Selbst in Ländern mit hohem Einkommen wird nur ein Drittel der Menschen mit Angststörungen behandelt, mit Ausnahme der USA, wo die Behandlungsraten deutlich höher sind.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Health Services Research Unit, IMIM-Hospital del Mar Medical Research Institute; Depression and Anxiety DOI: 10.1002/da.22711; Jan. 2018

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