Kindheitstrauma

Klinische Psychologie - Psychische Störungen

Trauma in Kindheit und Depressionsrisiko

Jüngste Forschungen sagen, dass Stress und Trauma während der Kindheit anhaltende Gehirnänderungen verursachen können und zu psychosozialen Störungen im Erwachsenenalter führen.

Genauer: Physischer, sexueller oder emotionaler Missbrauch in der Kindheit scheint die Reaktion einer Person auf Stress zu verändern und ihr ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende depressive Störungen mitzugeben.

Neuroendokrine Reaktion auf Stress

Kate Harkness, Ph.D., die die Rolle von Stress und Trauma ausgiebig untersucht hat, glaubt, dass das Trauma in der Jugend die neuroendokrine Reaktion einer Person auf Stress ändert. Sie entdeckte, dass misshandelte Jugendliche und einer leichten Depression viel mehr des Stresshormons Cortisol freisetzten als es normal ist.

Die überschüssige Hormonfreisetzung trat als Reaktion auf normale psychologische Stressoren auf, wie eine Rede zu halten oder einen schwierigen mathemathischen Test zu lösen.

Folgen: endokrine Beeinträchtigungen und Depression

Diese Art von Reaktion ist ein Problem, weil Cortisol Zellen in Bereichen des Gehirns tötet, die das Gedächtnis kontrollieren und die Emotionen regulieren, sagte Harkness. Nach einiger Zeit kann das erhöhte Cortisolniveau das Risiko für schwerwiegendere endokrine Beeinträchtigungen und Depressionen aufbauen und erhöhen.

Die Forscher glauben, dass die Folgen bei Jugendlichen mit einer erlebten Misshandlung und sich zeigender schwerwiegender Depression gefunden werden können.

Bei diesen Personen stellten die Forscher endokrine Systeme fest, die nicht normal reagierten.

Diese Ergebnisse sind wichtig, weil sie zeigen, dass umgebungsbedingte Belastungen in der Kindheit die Funktion des Gehirns so verändern, dass schwerwiegende psychische Krankheiten wie Depression entstehen und/oder bestehen bleiben können.

Harkness, außerordentliche Professorin der Psychologie der Queen's University in Ontario, Canada zeigte ihre Befunde vor kurzem beim International Society for Affective Disorders Conference in Toronto.
Quelle: International Society for Affective Disorders Conference, Mai 2011

Wie Kindheitstraumata das Immunsystem schädigen

03.06.2015 Langfristige Veränderungen der Immunsystem-Funktionen durch Kindheitstraumata können eine erhöhte Anfälligkeit für Gesundheitsprobleme im späteren Leben erklären laut einer in Molecular Psychiatry veröffentlichten Studie.

Die Studie des Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience am King's College London und NIHR Maudsley BRC fand eine erhöhte Entzündungsrate - angezeigt durch drei Biomarker im Blut von Erwachsenen, die Opfer eines Kindheitstraumas waren. Ein hohes Entzündungsniveau kann zu ernsten und potentiell lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Typ-2 Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder auch zu psychischen Erkrankungen führen.

Definition; Anfälligkeit für Krankheiten

In der Studie wurde ein Kindheitstrauma als das Erfahren sexuellen, physischen oder emotionalen Missbrauchs, Vernachlässigung oder Trennung von der Bezugsperson vor dem Alter von 17 durch die Forscher definiert.

Vorherige Forschungsarbeiten haben bereits gezeigt, dass ein Trauma in der Kindheit die Anfälligkeit für mehrere psychische Störungen - einschließlich Depression, Ängste, Psychosen und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) - wie auch mehrere chronische physische Gesundheitsprobleme - wie Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Krebs - erhöht. Jedoch ist der biologische Weg, der zur Anfälligkeit für diese Gesundheitsprobleme führt - bislang unklar gewesen.

Erhöhtes Entzündungsniveau

Die Forscher führten eine Metaanalyse von 25 Studien durch, die den Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit und Entzündungsmarkern im Erwachsenenalter untersuchten. Insgesamt wurden so mehr als 16.000 gesunde und erkrankte Personen untersucht.

Die Wissenschaftler fanden generell eine Verbindung zwischen Kindheitstraumata und einem erhöhten Entzündungsniveau.

Außerdem stellten sie fest, dass verschieden Arten eines Traumas - emotional, körperlich oder sexuell - diese Biomarker auf verschiedene Weisen beeinflussten.

Verschiedene Auswirkungen verschiedener Traumaarten

Entzündungsmarker IL-6; TNF-α CRP
Entzündungsmarker

Zum Beispiel waren physische und sexuelle Misshandlungen mit einem deutlich gesteigerten Niveau zweier Biomarker verbunden:

während ein erhöhter Level an C-reaktivem Protein (CRP; unspezifischer Entzündungsparameter) in erster Linie mit der Trennung von der elterlichen Bezugsperson in der frühen Kindesentwicklung verbunden scheint.

Prävention und Behandlungsstrategien

Dr. Valeria Mondelli vom Fachbereich für Psychologische Medizin am IoPPN sagte: Unsere Befunde sind nicht nur wichtig, weil wir durch sie besser verstehen, warum Menschen mit einem Kindheitstrauma psychische und physische Erkrankungen im Erwachsenenalter entwickeln, sondern auch, weil sie neue Möglichkeiten zur Prävention und von Behandlungsstrategien eröffnen.

Z.B. könnte die Identifikation dieser Entzündungsmarker es möglich machen, Opfer eines Kindheitstraumas zu identifizieren und so können potentielle Behandlungsmöglichkeiten getestet werden, die diese Entzündungen reduzieren können.

Mondelli fügte hinzu: Wir stellten auch fest, dass verschiedene Traumaarten mit verschiedenen Entzündungsarten verbunden waren. Während es keinen klaren Grund hierfür gibt, scheinen doch mehrere Faktoren einen tieferen Einblick anbieten zu können:

Jedoch werden erst weitere Forschungsarbeiten die molekularen Mechanismen hinter diesen Zusammenhängen herausfinden können.

Sie schloss: Erst wenn wir die biologischen Folgen von Traumata verstehen, werden wir hinter die Mechanismen schauen können, die einige Menschen körperliche oder psychische Störungen als Folge dieser traumatischen Erfahrungen entwickeln lassen, während andere anscheinend robust angesichts des traumatischen Kontakts bleiben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: King's College London, Molecular Psychiatry; Juni 2015

Folgen im Kindesalter

Traumatische Kindheitserlebnisse beeinträchtigen Entwicklung
und körperliche Gesundheit bereits im Kindesalter.

27.10.2016 Die meisten Forschungsarbeiten haben die Auswirkungen von traumatischen Ereignissen in der Kindheit auf die erwachsene Gesundheit untersucht, doch eine neue Studie stellt kurzfristige Beeinträchtigungen der Gesundheit bereits während der Kindheit fest.

kind-teddy
Bild: lisa runnels

Die Forscher führten eine systematische Metaanalyse durch, um einige der klinischen Anzeichen zu identifizieren, die auf ein kindliches Trauma hindeuten können. Sie untersuchten 39 Kohorten-Studien, um die Auswirkungen zu bestimmen, die traumatische Kindheitserfahrungen auf die Gesundheit und biologische Folgen bei Kindern haben können.

Gewicht, Asthma, Infektionen, Schlafstörung

Die Wissenschaftler fanden, dass Dysfunktionen im Haushalt das Gewicht von Kindern früh in der Kindheit, und Misshandlungen und Vernachlässigung das Gewicht von Kindern später in der Kindheit beeinflussen.

Kinder, die früh Widrigkeiten ausgesetzt waren, hatten auch ein erhöhtes Risiko für Asthma, Infektionen, somatische Beschwerden und Schlafstörungen.

Cortisol-Spiegel

Psychische Probleme bei der Mutter waren mit einem erhöhten Cortisol-Niveau und Misshandlungen mit einem niedrigeren Cortisol-Profil verbunden, sagte die Psychologin Dr. Debby Oh.

Diese Forschungsarbeit zeigt die Probleme durch frühe traumatische Kindheitserlebnisse, die bereits in der Kindheit Folgen haben können, sagte sie. Es ist jedoch auch wichtig zu erforschen, was in den Gehirnen bzw. Köpfen unserer Kinder geschieht, wenn sie schlimme Dinge erfahren, fuhr sie fort.

Mit adäquaten Interventionen können Kinder sich von einigen dieser negativen Gesundheitseffekte erholen; das frühe Erkennen ist deshalb besonders wichtig, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern zu schützen, bevor langfristige Auswirkungen im Erwachsenenleben folgen, sagte die Psychologin auf dem Meeting der American Academy of Pediatrics, 2016 National Conference & Exhibition.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: American Academy of Pediatrics; Okt. 2016

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