Sozialpsychologie – News aus der Forschung

Sozialpsychologie – News aus der Forschung

Psychologie-Lexikon

Definition: Die Sozialpsychologie ist der Teilbereich der Psychologie, der sich mit dem zwischenmenschlichen Erleben und Verhalten beschäftigt.


Schokolade und das Leben erscheinen gemeinsam genossen süßer

Wenn man Schokolade, Sonnenuntergänge und Filme gemeinsam genießt, dann scheinen sie noch mehr Freude zu bringen, laut einer neuen Studie der Universität Yale.

Die Yale Psychologen Erica Boothby, John Bargh und Margaret Clark beobachteten, dass viele Menschen regelmäßig andere aufsuchen, um mit ihnen ihre Erfahrungen zu teilen. Sie gehen mit ihnen zusammen raus, um einen schönen Sonnenuntergang oder einen lustigen Film anzuschauen.

Die Forscher fragten sich: Könnte der Austausch von solchen Erfahrungen – auch wenn sie nicht kommuniziert werden – die Art ändern, wie wir Dinge in unseren Alltagsleben erfahren?

Gemeinsame Erfahrungen
Bild: Picography (pixabay)

Gemeinsame Erfahrungen

In Psychological Science berichteten die Forscher, dass gut schmeckende Schokolade den einzelnen Teilnehmern noch besser schmeckte, wenn eine zweite Person dieselbe Schokolade zur gleichen Zeit aß. Die Teilnehmer berichteten diese größere Intensität der Erfahrung auch, obwohl sie nicht mit der anderen Person neben sich kommunizierten.

Die Wissenschaftler tauschten danach die gut schmeckende Schokolade gegen eine unangenehm bittere Schokolade. Dieses Mal berichteten die Teilnehmer, dass sie schlechter schmeckte, als sie sie teilten. Warum genau das so ist, bleibt ein Geheimnis.

Die Autoren erklären es sich so: Wir würden mehr Aufmerksamkeit einem Reiz beimessen, während wir mit jemandem zusammen sind, der sich auf denselben Stimulus fokusiert; und so hat er eine größere Wirkung auf uns.

„Oder es könnte daran liegen, dass man die Welt mit den Augen einer anderen Person sieht“, sagte Clark. „Wenn Sie und ein Partner etwas zusammen erfahren, könnte es Ihre eigene Erfahrung ergänzen.“
Soziale Interaktionen sind Katalysatoren dafür, gute Erfahrungen besser und schlechtere Erfahrungen schlechter zu machen, legen die Autoren nahe.

© PSYLEX.de – Quelle: Psychological Science, Sept. 2014

Umarmungen: Soziale Unterstützung wappnet gegen Stress & Krankheit

23.12.2014 Forscher der Carnegie Mellon University fanden durch ein Experiment heraus, dass Umarmungen das Tonikum sein können, um sich vor den negativen Folgen von Stress und Infektionen zu schützen.

Die Wissenschaftler testeten, ob Umarmungen als Form sozialer Unterstützung wirken und gestresste Personen davor schützen können, krank zu werden.

Ihre in Psychological Science herausgegebenen Befunde konnten tatsächlich zeigen, dass der physische Akt der Umarmung mit weniger stressinduzierten Infektionen und weniger schwerwiegenden Krankheitssymptomen verbunden werden konnte.

Psychologe Dr. Sheldon Cohen und sein Team untersuchten dieses körperliche Verhalten als Beispiel für soziale Unterstützung, weil Umarmungen normalerweise eine vertrautere und engere Beziehung zu einer anderen Person anzeigen.

Menschen, die sich in anhaltenden Konflikten mit anderen befinden, sind normalerweise weniger in der Lage, Erkältungsviren abzuwehren, sagt Cohen, und fährt fort: „Wir wissen auch, dass Personen, die soziale Unterstützung erfahren, teilweise vor den Stressauswirkungen auf psychische Bedingungen wie Depression und Angst geschützt werden“.

Das Experiment

In einem neuartigen Versuch ermittelten die Forscher bei 404 gesunden Erwachsenen (durch Fragebogen und Telefoninterviews) die Häufigkeiten zwischenmenschlicher Konflikte und Umarmungen, sowie die Wahrnehmung sozialen Supports.

Danach wurden die Teilnehmer absichtlich einem Erkältungsvirus ausgesetzt und unter Quarantäne überwacht, um Infektion und Krankheitssymptome zu erfassen.

Die Befunde

  1. Die Ergebnisse zeigten, dass die wahrgenommene soziale Unterstützung das Risiko für eine stressinduzierte Erkrankung reduzierte.
  2. Umarmungen waren für ein Drittel der schützenden Wirkung der sozialen Unterstützung verantwortlich.
  3. Unter den infizierten Teilnehmern führten sowohl ein stärker wahrgenommener sozialer Halt als auch häufigere Umarmungen zu weniger schwerwiegenden Krankheitssymptomen, ungeachtet dessen, ob Konflikte ausgetragen wurden oder nicht.

Dies legt nahe, dass die Umarmung einer nahestehenden Person wirkungsvoll das Gefühl vermitteln kann, sozial unterstützt zu werden. Und die Umarmungen selbst können ein wirkungsvolles Mittel sein, die schädlichen Auswirkungen von Stress zu reduzieren, sagte Cohen.

„Die offensichtliche Schutzwirkung der Umarmungen könnte durch den Körperkontakt selbst oder dem Umarmen als Verhaltensindikator für soziale Stütze und Vertrautheit verursacht werden.“

Cohen fügte hinzu: „So oder so, diejenigen, die mehr Umarmungen erhalten, sind ein wenig mehr vor Infektionen geschützt“.

© PSYLEX.de – Quellen: Carnegie Mellon University, Psychological Science; Dezember 2014

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