Grübeln (Psychologie)

Grübeln (Psychologie)

Persönlichkeitspsychologie

Definition: Psychologie des Grübelns; News und Forschung; Grübeln ist das (meist unproduktive) sich wiederholende Widerkäuen von Problemen. Unterschieden wird vorwärts- und rückwärtsgerichtetes Grübeln (Negatives repetitives Nachdenken über Dinge der Zukunft bzw. Vergangenheit).

Chronische Grübler: Eher Analyse als Bauchgefühl

Personen, die sich eher sorgen, folgen eher analytischen Gedankengängen, als dass sie auf ihr ‚Bauchgefühl‚ hören, laut einer neuen Studie der Universität von Sussex.

Systematische / heuristische Verarbeitung

Ein Psychologen-Team hat zwei Systeme identifiziert, die vom Gehirn benutzt werden, um Informationen zu verarbeiten. Die „systematische Verarbeitung“ verlangt eine Anstrengung (Analyse aller verfügbaren Befunde bevor man zu einem Schluss kommt).

Die „heuristische Verarbeitung“ ist die prompte Reaktion der Intuition, die Art von Reaktion, die durch eine plötzliche und unerwartete Bedrohung ausgelöst wird.

Chronische Pessimisten verarbeiten eher systematisch

Chronische Pessimisten und Grübler sind eher Perfektionisten, sie empfinden Ungewissheit eher als unangenehm, benötigen mehr Hinweise bevor sie eine Entscheidung treffen, haben einen stärkeren Wunsch nach Kontrolle, und fühlen sich verantwortlicher und stärker in der Haftung.

Diese Merkmale, zusammen mit einer negativen Stimmung, steigern die systematische Verarbeitung.

In der Studie wird durch Suzanne Dash, Ph.D. und ihre Kollegen gezeigt, dass starke Sorgen denselben Bereich des Gehirns aktivieren wie die systematische Verarbeitung (linker Stirnlappen), während die heuristische Verarbeitung mit dem rechten Stirnlappen verbunden ist.

„Wir tendieren dazu, die systematische Verarbeitung anzuwenden, wenn wir uns hochmotiviert fühlen und auch wenn unser tatsächliches Vertrauen zur Entscheidung, die wir treffen, nicht so gut ist, wie wir sie gerne hätten“, sagte Dash.

„Mit anderen Worten ist es ein bisschen wie eine Alarmglocke, die in unserem Verstand losgeht – wenn uns etwas wichtig ist, und wir annehmen, dass wir unsere Aufgabe hätten besser machen können – dann benutzen wir eher die systematische Verarbeitung.“

Grübeln kann einen verzehren

Obwohl sich die meisten Leute dann und wann um etwas sorgen, kann das Sichsorgen (Grübeln) für manche eine verzehrende und unaufhörliche Kette von negativen Gedanken werden, die sehr schwierig zu stoppen ist.

„Manchmal ist es nötig, viele sorgfältige Gedankengänge einer (unsicheren) Sache zu widmen, wie z.B. ein Haus zu kaufen. Jedoch widmen Pessimisten / Grübler auch eher unwichtigen Dingen viele aufwendige, abwägende Gedanken, wie was passieren könnte, wenn sie etwas vergessen, oder wenn sie nicht 100%ig auf ein Meeting vorbereitet sind“, sagte Dash.

Zwei Optionen: Analyse oder Bauchgefühl

„Es gibt viele Gründe, warum Grübler meinen könnten, dass sie nicht zuversichtlich genug sind und deshalb die systematische Verarbeitung anwenden. Jedoch erlaubt einem das Wissen von zwei Systemen der Informationsverarbeitung die Überlegung, wann es sinnvoll ist, die detaillierte aufwendige Verarbeitung anzuwenden, und wann eher nicht (und sich dann auf die heuristische Verarbeitung / das Bauchgefühl zu verlassen).“

„Und mit kognitiver Verhaltenstherapie ist es möglich, Personen dabei zu unterstützen, ihre nicht hilfreichen Gedanken zu kontrollieren, wie sich für eine Situation übertrieben verantwortlich zu fühlen oder die Kontrolle haben zu müssen“, sagte Dash.

© PSYLEX.de – Quelle: Universität Sussex, Sept. 2013

8 Tipps gegen das Grübeln

Spielen Sie andauernd negative Situationen in Ihren Gedanken nach bzw. werden von diesen Gedanken verfolgt? Als Grübeln bekannt, fühlt es sich manchmal wie ein Sprung in der Platte an.

Sind Sie ein Grübler?

Grübeln

Ihr Geist spielt die Situation andauernd nach: was führte zur schrecklichen Trennung oder zum Versagen auf der Arbeit. Selbst wenn alles gut geht, tendieren wir dazu, uns auf dieses eine negative Ereignis zu ‚hyperfokusieren‘: als unser Chef uns kritisierte…vor unseren Kollegen.

Nachdenken über vergangene Erfahrungen kann bei der Problemlösung und Überwindung von Dilemmata hilfreich sein, aber Grübeln ist eine ungünstige Steigerung dessen. Es bietet nur wenig an neuen Erkenntnissen und oftmals verstärken sich unsere negativen Gefühle dadurch bloß. Wir konzentrieren uns nur noch auf die Dinge, die nicht gut laufen, anstatt das größere Bild zu sehen. Diese über-nachdenklichen Gedanken können uns bis spät in der Nacht wachhalten und die Situation überanalysieren.

Eine US-amerikanische Forschungsstudie hat zeigen können, dass Grübeln mit einer Vielzahl negativer Folgen verknüpft ist, einschließlich Depression, Angst, Posttraumatische Belastungsstörung, Substanzmissbrauch und Binge-Eating.

Acht Tipps

Was kann man tun, damit das Grübeln aufhört? Hier sind einige Tipps, die helfen könnten.

    • Identifizieren Sie den Gedanken oder die Furcht. Welches ist Ihre größte Angst? Vielleicht fürchten Sie sich davor, entlassen zu werden oder vor anderen dumm dazustehen. Führen Sie ein Protokoll; dies kann eine große Hilfe dabei sein, die zugrundeliegende Angst zu klären.
    • Malen Sie sich das schlimmstmögliche Szenario im Kopf aus. Dies mag wie ein schrecklicher Vorschlag klingen, aber wir können oft mit dem Schlimmstmöglichen fertigwerden; und dies nimmt dem ursprünglichen (Grübel-)Gedanken die Macht. Fragen Sie sich zweierlei: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Könnte ich damit umgehen? Wahrscheinlich ist die Antwort: ja. Menschen sind sehr belastbar, und oftmals führen vermeintliche ‚Verluste‘ zu neuen Anfängen.
    • Lassen Sie los, was Sie nicht kontrollieren können. Fragen Sie sich, „was könnte ich ändern“? Wenn Sie die Situation nicht ändern können, lassen Sie es geschehen. Bei Dingen, die Sie ändern können, stellen Sie sich eine Liste kleiner Ziele zusammen und nehmen Sie die entsprechenden Änderungen Schritt für Schritt vor.
    • Sehen Sie Fehler als Gelegenheiten zu lernen an. Laut David Burns, Dozent an der Stanford Universität und Autor von Feeling Good, ist die schnellste Art für Erfolg: „zu versagen, wieder und wieder“. Fragen Sie sich bei einem Misserfolg: „Was kann ich daraus lernen?“ Sie werden merken, dass Sie sich schnell beruhigen und für die Zukunft etwas gelernt haben. Jedes Mal, wenn Sie einen Fehler begehen, lernen Sie etwas Neues.
    • Planen Sie eine tägliche Grübel-Pause von etwa 20 bis 30 Minuten ein und machen das Beste daraus. Dies ermöglicht es Ihnen zu einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort, sich um Ihre größten Verunsicherungen zu kümmern. Zu anderen Zeiten des Tages, erinnern Sie sich dann daran, dass Sie später Zeit haben, darüber nachzudenken.
    • Achtsamkeit. Wir verbringen so viel Zeit, über vergangene Fehler oder zukünftige Ereignisse nachzudenken, dass wir sehr wenig Zeit für das ‚Hier und Jetzt‘ aufbringen. Die Praxis der Achtsamkeit ist eine gute Möglichkeit unser „Denken“ zu reduzieren und unser „Empfinden“ im hier und jetzt zu steigern. Fragen Sie sich z.B., was Sie hören, fühlen, riechen, sehen und schmecken. Dies kann helfen, den gegenwärtigen Moment besser wahrzunehmen. Achsamkeit ist eine wichtige Fähigkeit, um bedeutsame Momente im Leben genießen zu können. Unser Nachdenken darüber, was wir noch erledigen müssen, kann den Moment stören, wenn wir den Kaffee mit einem Freund genießen. Wenn Sie bemerken, dass Sie anfangen zu grübeln, führen Sie sich sanft zurück zur Gegenwart.
    • Machen Sie Sport. Machen Sie einen Spaziergang. Eine Änderung der Umgebung kann unsere Gedanken unterbrechen und uns eine neue Perspektive geben.
  • Versuchen Sie es mit einer Therapie. Wenn sich Ihre grübelnden Gedanken stark in Ihre Lebensführung einmischen, holen Sie sich professionelle Hilfe.

Negatives grüblerisches Denken hängt mit Schlafrhythmus zusammen

08.12.2014 Eine neue Forschungsstudie legt nahe, dass Nachteulen Probleme mit negativen Gedanken haben können, was zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit führen kann.

Jacob Nota und Meredith Coles von der Binghamton Universität entdeckten, dass Personen, die sehr spät nachts ins Bett gehen und nur kurze Zeit schlafen, öfter von negativen Gedanken gequält werden, als diejenigen, die regelmäßige Schlafenszeiten einhalten.

Repetitives negatives Denken

Wenn jemand lästige pessimistische und sich ständig wiederholende Gedanken hat, spricht man von repetitiven negativen Denken.

Für diese Personen fühlt es sich an, als ob sie nur wenig Kontrolle über diese Überlegungen haben. Sie tendieren dazu, sich übertrieben um die Zukunft zu sorgen, sich zu sehr in der Vergangenheit zu verlieren und erfahren nervende aufdringliche Gedanken.

Die Gedanken sind oft jenen von angstgestörten oder depressiven Menschen ähnlich; diese neigen auch eher zu Schlafproblemen.

Frühere Studien konnten Schlafschwierigkeiten mit sich wiederholenden negativen Gedanken in Verbindung bringen, besonders wenn jemand nicht genug Schlaf bekommt.

Nota und Coles versuchten diese Studien zu replizieren, und um zu sehen, ob es eine Verbindung zwischen den repetitiven Gedanken und der Schlafenszeit gibt.

Regelmäßiger Schlafrhythmus, frühes Zubettgehen

In ihrer in der Zeitschrift Cognitive Therapy and Research präsentierten Studie wurden 100 junge Erwachsene befragt und getestet. Die Forscher verwendeten dabei drei Kriterien um das negative Denken der Teilnehmer einzuschätzen:

  • wie stark sie sich sorgten,
  • wie sehr sie grübelten und
  • wie zwanghaft sie waren.

Die Studenten wurden auch gefragt, ob sie eher Morgen- oder Abendtypen (Lerchen oder Eulen) sind, und ob sie regelmäßig schliefen oder einen unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus hätten.

Teilnehmer, die weniger regelmäßig schliefen und später zu Bett gingen, erfuhren öfter sich wiederholende negative Gedanken als die anderen Probanden. Das gleiche traf auch auf die zu, die sich selbst als Nachteulen bezeichneten.

„Regelmäßig zur richtigen Zeit zu schlafen, ist eine einfache und kostengünstige Intervention, um sich von aufdringlichen störenden Gedanken zu befreien“, bemerkte Nota.

Die Befunde schlagen auch vor, dass Schlafunterbrechungen mit der Entwicklung sich wiederholenden negativen Denkens verbunden werden können.

Deswegen glauben die Forscher, dass es für Personen mit einer Prädisposition gegenüber einer Störung mit solch aufdringlichen Gedanken besonders wichtig ist, genug Schlaf zu bekommen.

„Wenn weitere Befunde die Verbindung zwischen Schlaftiming und sich wiederholendem negativn Grübeln unterstützen, könnte dies womöglich zu einer neuen Behandlungsform bei internalisierten Störungen führen“, fügt Coles hinzu.

„Die Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Schlafdauerverkürzung und Psychopathologie hat schon demonstrieren können, dass der Fokus auf den Schlaf in der Klinik auch zur Reduktion der psychopathologischen Symptome führt.“

© PSYLEX.de – Quellen: Binghamton Universität, Cognitive Therapy and Research; Dezember 2014

Haben Grübler einen höheren IQ?

28.12.2014 Menschen, die sich andauernd sorgen, haben eher einen höheren verbalen IQ. Grübelt man aber insbesondere über vergangene negative soziale Erlebnisse nach, scheint es eine Verbindung zu einem niedrigeren nonverbalen IQ zu geben.

nachdenken
Bild: pixabay

Alexander Penney von der Lakehead Universität in Ontario, Kanada und Kollegen befragten mehr als 100 Studenten und schätzten sie aufgrund der Resultate hinsichtlich ihrer Werte bei Sorgen, Ängsten, Depression, Grübeln, ihrer sozialen Phobie, ihren letzten gesellschaftlichen Ereignissen, ihrer Stimmung, verbalen Intelligenz (Sprachliche Intelligenz), non-verbalen Intelligenz und Testangst ein.

Dieser letzter Faktor – die Testangst – war wichtig, denn die Forscher wollten die Eigenschaft Angst von der momentanen Angst unterscheiden, und wie sie sich bezogen auf die Intelligenz unterscheiden.

Ergebnisse

Die Forscher fanden heraus, dass die sich mehr sorgenden Teilnehmer insgesamt besser beim Test auf verbale Intelligenz abschnitten (Teil des bekannten Wechsler-Tests). Dieses Resultat war hinsichtlich der potentiellen Einflussfaktoren Testangst und gegenwärtige Stimmung kontrolliert worden (zeigte sich also hiervon nicht abhängig).

Ein anderer interessanter Befund war, dass Personen, die sich wegen vergangener gesellschaftlicher Ereignisse sorgten, eine niedrigere Punktezahl bei nonverbalen IQ-Tests erreichten.

Erklärungsversuch

Die Forscher vermuten, dass verbal intelligentere Personen in der Lage wären, vergangene und zukünftige Ereignisse detaillierter zu untersuchen, was zu intensiverem Grübeln und sich Sorgen machen führen kann.

Personen mit höherer nonverbaler Intelligenz können besser nonverbale Signale verarbeiten, mit denen sie im Moment interagieren, was zu einer verringerten Notwendigkeit führen kann, vergangene soziale Begegnungen erneut zu verarbeiten.

Ein sich sorgender und grübelnder Verstand ist verbal intelligenter; ein sozial nachdenklicher Geist könnte weniger gut in der Lage sein, nonverbale Informationen zu verarbeiten.

© PSYLEX.de – Quelle: The British Psychological Society, Lakehead Universität; Dez. 2014

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